ReviewAlbum des Monats

Band
IRON MAIDEN 
Kategorie
Album des Monats 
Heft
RH #159 
Titel
Brave New World 
Erscheinungsjahr
2000 
Note
9.0 

Warum das neue MAIDEN-Album nicht bei uns im Soundcheck auftaucht, hat euch Michael ja bereits im Intro dieser Ausgabe erklärt. Zumindest gab's bei der Listening-Session im Kölner EMI-Gebäude aber die Möglichkeit, diverse Songs mehrmals zu hören - und da ich die erste Hälfte des Albums schon kannte (s.a. Titelstory im letzten Heft), konnte ich mir zumindest einen halbwegs vernünftigen Eindruck von "Brave New World" machen. Die Scheibe ist, um das Fazit vorwegzunehmen, das fehlende Bindeglied zwischen "Seventh Son Of A Seventh Son" und "Fear Of The Dark" geworden - so als hätte es die Enttäuschung "No Prayer For The Dying" nie gegeben. Damit ist es MAIDEN also tatsächlich gelungen, an ihre ersten sieben Mega-Alben anzuknüpfen, auch wenn Jahrhundert-Klassiker wie "Number Of The Beast", "Killers" oder "Powerslave" erwartungsgemäß unerreicht bleiben. "Brave New World" im Einzelnen: 'The Wicker Man': Die erste Single, typisches, straightes Adrian Smith-Riff mit eingängigem Chorus, wirkt wie eine Mischung aus 'Two Minutes To Midnight' und 'Accident Of Birth' (Bruce Dickinson), Ohrwurm! 'Ghost Of The Navigator': Typischer MAIDEN-"Galoppierer" mit interessantem Aufbau und großartigem Refrain, erinnert von der Atmosphäre her etwas an 'The Clairvoyant', hätte auch auf "Seventh Son..." stehen können. 'Brave New World': 'Fear Of The Dark'-mäßiger Epic-Rocker, wächst trotz eines mega-eingängigen Refrains mit jedem Durchlauf. Beim ersten Hören fand ich das Stück durchwachsen, beim vierten Mal großartig! 'Blood Brothers': Orchestral arrangierte Halbballade mit groß angelegtem Chorus und langem, sich stetig steigerndem Mittelteil, typische Steve Harris-Nummer mit Überlänge. 'The Mercenary': Relativ straighte Uptempo-Hymne mit eingängigem Chorus, packenden Gitarrenduellen und rauhen Vocals. 'Dream Of Mirrors': Nach einem 'Phantom Of the Opera'-mäßigen Intro folgt ein ungewöhnlich aufgebauter, getragener Midtempo-Rocker, der erst nach knapp drei Minuten in die Gänge kommt, eingängiger, starker Chorus, gelungene Breaks und Steigerungen, über neun Minuten lang. 'The Fallen Angel': Straightes, mächtiges Adrian Smith-Riff, angezogenes Midtempo, sehr bodenständig und kompakt arrangiert, Gitarren erinnern zum Teil an das erste MAIDEN-Album. 'The Nomad': Leicht orientalisch angehauchte Melodien und typischer Dave Murray-Stratocaster-Sound, erinnert von der Atmosphäre her an 'Powerslave' und 'Rime Of The Ancient Mariner' (vom Bass getragener, dramatischer Mittelpart), Highlight! 'Out Of The Silent Planet': Typischer MAIDEN-Stomper mit sehr eingängigem Chorus, klasse Breaks und Tempowechsel, Ohrwurm! 'The Thin Line Between Love And Hate': Melodischer Rocker mit nettem, aber unspektakulärem Chorus, trotz vereinzelter guter Ideen klar der schwächste Song des Albums, zudem unnötig in die Länge gezogen. Trotz des etwas verunglückten Abschlusses ist "Brave New World" das beste MAIDEN-Album seit "Seventh Son..." geworden. Gott sei Dank!


Götz Kühnemund 9.0

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