ReviewAlbum des Monats

Band
GHOST 
Kategorie
Album des Monats 
Heft
RH #373 
Titel
Prequelle 
Erscheinungsjahr
2018 
Note
10.0 

Spinefarm/Universal (41:48)
Schon wieder dieser Vergleich, aber wer GHOST, also den Schweden Tobias Forge, verstehen will, muss an Kiss in den Siebzigern denken, an eine Band, die mehr ist als nur ihre Musik, an eine Band, von der man weiß, dass sie das Prinzip des Comics verinnerlicht hat, die andererseits aber dermaßen von einer einzigartigen wie eigenartigen Atmosphäre umgeben zu sein scheint, dass kein Mensch bei Verstand daran zweifeln kann, etwas beizuwohnen, das eben viel größer ist als die Summe seiner Teile. GHOST sind sogar, so einfach ist das, die momentan beste (und wichtigste) Rockband der Welt, ihre Fehlerlosigkeit haben sie spätestens mit dem Video zur ersten „Prequelle“-Auskopplung ´Rats´ bewiesen, diesem Oscar-reif choreografierten und geschnittenen Mini-Film, der gleichzeitig die irre Bühnenshow Tribulations professionalisiert, liebevoll Michael Jacksons „Thriller“-Video zitiert und dabei schließlich noch Jacques Demys „Die Regenschirme von Cherbourg“ in eine Art Gotham City auslagert.
„Ja, ja, alles nur Schauwerte“, rufen die Zweifler nun schon wieder, aber so einfach ist es nicht: GHOST, die sich seit ihrer Debüt-7“ von 2010 immer weiter gesteigert haben, haben mittlerweile eben auch musikalisch ein schwindelerregendes Level erreicht, das auf allen Ebenen funktioniert, beim überraschend „old-schooligen“ Album-Einstand mit erwähntem ´Rats´ oder - noch mehr - ´Faith´ und in ruhigeren, gerne balladesken, dabei immer sinistren Momenten wie ´See The Light´, ´Pro Memoria´ oder ´Life Eternal´ nicht weniger als bei brutalst „kommerziell“ komponierten, schlicht perfekten Hits wie ´Witch Image´ und der AOR-Verbeugung ´Dance Macabre´ sowie den Instrumental-Stücken ´Miasma´ und ´Helvetesfonster´, die zwar auch ein wenig den Synthwave-Trend aufgreifen, mit ihren zahlreichen Zitaten vor allem aus dem Soundtrack-Bereich von Italo-Horror bis „Derrick“ aber noch viel, viel weiter gehen.
Das größte Kompliment, das man GHOST schlussendlich machen kann, ist aber ein anderes: Obwohl man jederzeit hört, mit welcher Akribie und mit welchem Willen zum Erfolg Forge und Produzent Tom Dalgety hier vorgegangen sind, wirkt „Prequelle“ nie wie ein Produkt. „Prequelle“ atmet und lebt, dieses Album ist beseelt, es macht glücklich und rührt in seiner stets präsenten Melancholie zu Tränen.


DISKOGRAFIE

Elizabeth/Death Knell (7“, 2010)
Opus Eponymous (2010)
Secular Haze (10“, 2013)
Infestissumam (2013)
Year Zero (EP, 2013)
If You Have Ghost (EP, 2013)
Cirice (Single, 2015)
Meliora (2015)
Popestar (EP, 2016)
Square Hammer (Single, 2016)
He Is (10“, 2017)
Selections From Ceremony And Devotion (8-Trk, 2017)
Ceremony And Devotion (live, 2017)
Prequelle (2018)


LINE-UP

Cardinal Copia (v.)
Nameless Ghoul (g.)
Nameless Ghoul (g.)
Nameless Ghoul (b.)
Nameless Ghoul (keys)
Nameless Ghoul (dr.)

DIE PATEN


Wer auf folgende Acts steht, dürfte auch auf „Prequelle“ abfahren:

Kiss, Abba, King Diamond, Mercyful Fate, The Night Flight Orchestra, Judas Priest, In Solitude, The Beach Boys, The Beatles, The Devil´s Blood, Year Of The Goat, Coven, Sabath Assembly, Tribulation, Carpenter Brut


Boris Kaiser 10.0

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