ReviewAlbum des Monats

Band
ACCEPT 
Kategorie
Album des Monats 
Heft
RH #363 
Titel
The Rise Of Chaos 
Erscheinungsjahr
2017 
Note
9.5 

Nuclear Blast/Warner (46:27)
Unser Chef-Kaiser wagte sich als Erster aus der Deckung: „Das beste Album der Tornillo-Ära!“ Kann sein. Es gipfelt allerdings in Erbsenzählerei, „The Rise Of Chaos“ mit dem fulminanten Comeback-Album „Blood Of The Nations“ oder der gut austarierten „Blind Rage“-Scheibe vergleichen zu wollen. Die Unterschiede sind marginal, aber besprechen wir das Album doch der Reihe nach. ´Die By The Sword´ ist für die kommenden Shows sicher gesetzt, denn die Nummer sprüht vor Live-Esprit. Wer immer sich diesen spannenden Chorus mit dem eingebetteten „Hohoho“ ausgedacht hat, darf sich die Medaille als bester Profi-Metal-Komponist des Jahres 2017 umhängen. Ein wesentlich besserer Auftakt als das stumpfe ´Stampede´ vom Vorgänger. Dagegen spricht mich der Refrain von ´Hole In The Head´ seltsamerweise kaum an. ´The Rise Of Chaos´ ist hingegen der ideale harte Traditions-Metal-Song. Marks vibrierende Stimmbänder und das erstklassige Zusammenspiel zwischen Solo- und Rhythmusgitarre (eine Eigenschaft, auf die Judas Priest mal fast ein Patent hielten, die Wolf aber auf diesem Album des Öfteren in höhere Sphären führt) sind allein ein Kaufgrund. Die Hits kommen aber jetzt erst. ´Koolaid´ enthält die klassischen ACCEPT-Beats, auch wenn AC/DC hier vielleicht mal in grauer Vorzeit Vorbild waren. Hört man immer wieder gerne, genauso wie die ´Balls To The Wall´-Hommage ´Analog Man´, die durch einen selbstironischen, wirklich mal witzigen Unterton in den Texten glänzt. Dazwischen pulsiert die Doublebass-Nummer ´No Regrets´, die sich auch mal locker macht. Oft sind es Details, die ACCEPT vom Gros der Konkurrenz abheben. Eine kleine Melodie, ein dynamisches Arrangement oder die stets klar verständlichen Sprechchöre, die man auf der ganzen Welt mitsingen kann. So strahlt der Gesang in ´What´s Done Is Done´ eine ungeheure Lässigkeit aus, wo andere Shouter die Nummer kaputtgekreischt hätten. Nachwuchsbands täten gut daran, diese Platte mal genauer zu analysieren. Der einzige Wermutstropfen ist, dass ACCEPT das Ende der Platte nicht ideal ausspielen, der krönende Abschluss fehlt, obwohl ´Worlds Colliding´ (gut), ´Carry The Weight´ (schnelle Nummer mit lockerer, getragener Melodie) und ´Race To Extinction´ (harte Qualität) unzweifelhaft Höhepunkte auf den Platten anderer Bands wären. Vielleicht ist der Mittelteil der Platte auch einfach zu stark. Erbsenzählerei halt. Erstaunlich ist auf „The Rise Of Chaos“ nicht nur das Songwriting-Niveau, sondern dass man ganz nebenbei noch einen No-Name-Schlagzeuger einführt, der so spielt, als sei er schon immer bei ACCEPT gewesen, und darüber hinaus als agiler Antreiber fungiert. Großes Kino aller Beteiligten: Keine Band macht zur Zeit bessere Heavy-Metal-Alben als ACCEPT!
DISKOGRAFIE (Studioalben)

Accept (1979)
I´m A Rebel (1980)
Breaker (1981)
Restless And Wild (1982)
Balls To The Wall (1983)
Metal Heart (1985)
Russian Roulette (1986)
Eat The Heat (1989)
Objection Overruled (1993)
Death Row (1994)
Predator (1996)
Blood Of The Nations (2010)
Stalingrad (2012)
Blind Rage (2014)
The Rise Of Chaos (2017)


LINE-UP

Mark Tornillo (v.)
Wolf Hoffmann (g.)
Uwe Lulis (g.)
Peter Baltes (b.)
Christopher Williams (dr.)


DIE PATEN

Wer auf folgende Acts steht, dürfte auch auf „The Rise Of Chaos“ abfahren:

Judas Priest * AC/DC * Saxon * U.D.O. * Dirkschneider * Raven * Riot * Scorpions * Dio * Grave Digger * Warlock * Primal Fear * Anvil * W.A.S.P. * Quiet Riot


Holger Stratmann 9.5

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