ReviewAlbum des Monats

Band
SÒLSTAFIR 
Kategorie
Album des Monats 
Heft
RH #361 
Titel
Berdreyminn 
Erscheinungsjahr
2017 
Note
9.0 

Season Of Mist/Soulfood (57:38)
Was die Texte angeht, so hat es Gitarrist und Sänger Aðalbjörn „Addi“ Tryggvason im Interview dieser Ausgabe verraten, bohren die Isländer auf ihrem mittlerweile sechsten Studioalbum das ganz dicke Brett und erzählen Geschichten über Naturkatastrophen, häusliche Gewalt, Narzissmus, Depressionen und Alkoholismus. Typisch für eine Band, die angibt, von trostlosen Szenerien fasziniert zu sein, die diese Themen anpackt, sie aber eben nicht mit verzweifelt klingender Musik unterlegt. Klar, Tryggvason leidet, während er sein Innerstes nach Außen kehrt und die Songs interpretiert, aber diese Stücke sind keine, bei denen man reflexartig zur Rasierklinge greift, um sich die Pulsadern aufzuschlitzen. Ganz im Gegenteil: „Berdreyminn“ fährt in seiner Häufung die wohl besten Melodien der bisherigen SÓLSTAFIR-Karriere auf und bietet inmitten der vorherrschenden melancholischen Grundatmosphäre immer wieder Momente der Hoffnung. Vor diesem Hintergrund macht selbst der Albumtitel, der übersetzt „jemand, der von kommenden Ereignissen träumt“ bedeutet, Sinn, denn abgesehen von Pink Floyd fällt mir kaum eine andere Band als das Quartett aus Island ein, die es mit ihren Soundscapes schafft, eine ähnlich verträumte, manchmal mystische Stimmung zu erzeugen. Das macht SÓLSTAFIR zu musikalischen Grenzgängern, deren Sound mit Begriffen wie „Heathen Metal“, Post- oder Artrock nur ungenügend beschrieben ist. In Schubladen einordnen lassen sich diese Freigeister schon lange nicht mehr, spätestens mit dem Vorgänger „Ótta“ hat man endgültig seine eigene kleine Nische in einem überhitzten Genre gefunden. „Berdreyminn“ setzt diese Entwicklung konsequent fort, kombiniert Metal-Einflüsse mit Folk, Streichern oder auch mal Piano-Klängen und schwankt ständig zwischen Drama und Epik. Ein fantastisches, im wahrsten Sinne des Wortes progressives Album mit Gänsehautgarantie!


DISKOGRAFIE (Alben)

Í Blódi og Anda (2002)
Masterpiece Of Bitterness (2005)
Köld (2009)
Svartir Sandar (2011)
Ótta (2014)
Berdreyminn (2017)


LINE-UP

Aðalbjörn „Addi“ Tryggvason (v./g.)
Sæþór Maríus Sæþórsson (g.)
Svavar Austman (b.)
Hallgrímur Jón Hallgrímsson (dr.)


DIE PATEN

Wer auf folgende Acts steht, dürfte auch „Berdreyminn“ in sein Herz schließen:

Árstíðir Lífsins * In The Woods... * Helrunar * Slægt * Pink Floyd * Sigur Rós * Primordial * Moonsorrow * Falkenbach * Secrets Of The Moon * Mono * Enslaved * Macabre Omen * Bathory * Godspeed You! Black Emperor


Thomas Kupfer 9.0

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