ReviewAlbum des Monats

Band
OPETH 
Kategorie
Album des Monats 
Heft
RH #353 
Titel
Sorceress 
Erscheinungsjahr
2016 
Note
8.5 

Nuclear Blast/Warner (56:43)
Sir Åkerfeldt geht mal wieder nicht den einfachen, direkten Weg zu seinen Hörern, doch es gibt ein paar Kniffe, die den Zugang zu „Sorceress“ und dessen Klasse ein wenig erleichtern. Erstens: Betrachtet das Album nicht als in sich geschlossenes Gesamtkunstwerk. Atmosphärisch ist es nicht so kohärent wie „Pale Communion“, spätestens in der Mitte risse ein imaginärer roter Faden ab, aber die einzelnen Tracks sind längst nicht so fragmentarisch wie auf „Heritage“. Zweitens: Mikael hat nach wie vor ein ambivalentes Verhältnis zum Chorus. Orientiert euch an anderen Song-Bestandteilen, dann zünden die teils sehr spärlich gesäten Refrains umso nachhaltiger. Drittens: Åkerfeldt lässt insbesondere Drummer Martin Axenrot manchmal etwas zu viele Freiräume für (technisch superbe) Trommeltornados, indem er Gitarrenriffs bewusst rhythmisch gestaltet. Stellt euch OPETH als die Jam-Band vor, die sie live mittlerweile sind, dann wird die leichte Akzentverschiebung verzeihlich.
Stilistisch, spielerisch und größtenteils auch kompositorisch erwartet den entdeckungsfreudigen Fan mal wieder innovativstes Alles-geht-Programmkino. Zusätzlich zu halbwegs erwartbarem OPETH-Metal/Prog-Crossover wie ´Sorceress´, ´The Wilde Flowers´ oder ´Chrysalis´ (so würden Ghost wahrscheinlich gerne klingen) gibt´s diesmal gelungene Verbeugungen vor Jethro Tull (die großartige Ballade ´Will O The Wisp´), Pink Floyd (das sphärische ´Sorceress 2´) und Page & Plant (das perkussiv-orchestrale Quasi-Instrumental ´The Seventh Sojourn´), das trotz seiner Härte ungewohnt sonnige ´Era´, den wie eine Storm-Corrosion-Nummer beginnenden Prog-Longtrack ´Strange Brew´ und das folkig-psychedelische, wunderschöne ´A Fleeting Glance´. Dass OPETH mittlerweile völlig jenseits aller Genre-Schubladen agieren, wird nicht jedem schmecken, die Schweden formen aus den unterschiedlichsten Einflüssen aber einen so dermaßen organischen und spannenden Sound, dass man sie anno 2016 durchaus auf eine kreative Stufe mit (auch nicht immer leicht verdaulichen) Visionären wie King Crimson stellen darf.
Diskografie

Orchid (1995)
Morningrise (1996)
My Arms, Your Hearse (1998)
Still Life (1999)
Blackwater Park (2001)
Deliverance (2002)
Damnation (2003)
Lamentations (live, 2003)
Ghost Reveries (2005)
The Roundhouse Tapes (Live, 2007)
Watershed (2008)
In Live Concert At The Royal Albert Hall (Live, 2010)
Heritage (2011)
Pale Communion (2014)
Sorceress (2016)


Line-up

Mikael Åkerfeldt (v./g.)
Fredrik Åkesson (g.)
Martin Mendez (b.)
Joakim Svalberg (keys)
Martin Axenrot (dr.) 


Die Paten

Wer mit folgenden Bands etwas anfangen kann, wird „Sorceress“ bezaubernd finden:

Storm Corrosion * Katatonia * Wisdom Of Crowds * King Crimson * Steven Wilson * Porcupine Tree * Jethro Tull * Pink Floyd * Anathema * Mahavishnu Orchestra * Weather Report * sehr alte Genesis * Page & Plant * The Soft Machine * Gong * Caravan * Billy Cobham * Isis


Michael Rensen 8.5

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