ReviewAlbum des Monats

Band
BLUES PILLS 
Kategorie
Album des Monats 
Heft
RH #351 
Titel
Lady In Gold 
Erscheinungsjahr
2016 
Note
9.0 

Nuclear Blast/Warner (40:09)
Das Genörgel zuerst, bevor die Kritik zu diesem Klassealbum noch mit einem negativen Unterton endet? Okay, here we go: Der Sound des zweiten BLUES PILLS-Drehers, für den wie beim Debüt Don Alsterberg (u.a. auch Graveyard und Horisont) verantwortlich zeichnet, wird dem großen Ganzen nicht gerecht - was weniger an der leicht „muffigen“ Produktion liegt, die die Band sicherlich so haben wollte und ihr auch steht, sondern vor allem am leider missratenen Mix (und Mastering?), der nicht nur Dorian Sorriaux´ Wundergitarre zu weit in den Hintergrund rückt, sondern die Platte auch komprimierter klingen lässt als so manche Metalcore-Wand. Dass unter diesem Review dennoch eine Neun steht, heißt also, dass man sich ansonsten gerne im Minutentakt verbeugen möchte, denn die schwedisch-amerikanisch-französische Allianz hält sämtlichem Druck stand und stellt ihrem sowohl künstlerisch als auch kommerziell unfassbar erfolgreichen Erstling einen ebenbürtigen Nachfolger an die Seite, bei dem einige Supporter der ersten Stunde die harscheren, mittlerweile keine bestimmende Rolle mehr spielenden Blues-Schemata sicherlich vermissen werden, dessen souligere Herangehensweise aber noch mehr Platz lässt für zwar stets unaufdringliche, aber gerade deshalb äußerst nachhaltige Hooklines, denen sich Elin Larsson mit bewundernswerter Leidenschaft widmet. Die etwas generischere B-Seite ist inklusive des einfallsreichen Tony-Joe-White-Covers ´Elements And Things´ vom etwas kruden ´Bad Talkers´ abgesehen superunterhaltsam, als schlicht überragend präsentieren sich die BLUES PILLS allerdings auf der A-Seite: ´Lady In Gold´, ´Little Boy Preacher´ und ´Burned Out´ sind ein  Vorfreude auf die nächsten Konzerte aufkommen lassender Einstieg nach Maß (Hit-Garantie!), der sanfte Abschluss mit dem mutig arrangierten ´Gone So Long´ und vor allem der Piano/Keyboard-Ballade ´I Felt A Change´, vielleicht Larssons bisher bester Leistung auf Platte, der süchtig machende Höhepunkt.
Emotional, aber nicht kitschig, selbstbewusst, aber nicht prätentiös, den Traditionen verpflichtet, aber nicht rückwärtsgewandt: „Lady In Gold“ ist - dieses Kreisklasse-Wortspiel sei mir bei diesem Champions-League-Album gestattet - einfach Gold wert. 
DISKOGRAFIE

Black Smoke (7“, 2012)
Bliss (EP, 2012)
Devil Man (EP, 2013)
Live At Rockpalast (EP, 2014)
Blues Pills (2014)
Blues Pills Live (2015)
Lady In Gold (2016)

LINE-UP


Elin Larsson (v.)
Dorian Sorriaux (g.)
Zack Anderson (b.)
André Kvarnström (dr.)

DIE PATEN

Wer die folgenden Acts mag, wird auch bei „Lady In Gold“ durchdrehen:

Frumpy * Graveyard * Horisont * Rival Sons * Zodiac * Scorpion Child * Kadavar * The Vintage Caravan * The Temperance Movement * Samsara Blues Experiment * The Tower * Janis Joplin * Led Zeppelin * Orchid * Witchcraft * Free * Bad Company


Boris Kaiser 9.0

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