ReviewAlbum des Monats

Band
GRAVEYARD 
Kategorie
Album des Monats 
Heft
RH #341 
Titel
Innocence & Decadence 
Erscheinungsjahr
2015 
Note
9.0 

Nuclear Blast/Warner (42:43)
Zwei Fehler sollte man auf gar keinen Fall begehen: GRAVEYARD aufgrund des Medienrummels um Kadavar und Blues Pills als irgendwie zweitklassig zu betrachten und die Band in der Retro-Rock-Nachahmer-Schublade verschimmeln zu lassen. Umso schöner, dass das unscheinbare Quartett mit „Innocence & Decadence“ endlich ein Album aufgenommen hat, das den Versprechungen der dynamischen Live-Performances gerecht wird. In Wirklichkeit sind GRAVEYARD die härteste und beste neuzeitliche Blues-Band und wenn man so will, sogar eine Empfehlung an die Legionen von Rolling-Stones-, Thin-Lizzy- und Status-Quo-Fans, die sich längst damit abgefunden haben, dass den Frühwerken ihrer Lieblinge nichts mehr hinzugefügt werden kann. In Sachen Stadion-Rock ist das sicher auch so, aber wenn es um das dynamische Zusammenspiel von trockenen Gitarrenriffs, pumpenden Bässen und einem natürlich klingenden Schlagzeug geht, kann GRAVEYARD zur Zeit niemand das Wasser reichen. Wie die ganze Band in ´Magnetic Shunk´ magisch das Tempo anzieht, ist ganz großes Kino, da wird Rockmusik wieder zur revolutionären Macht, die einem die ganze Woche ein Grinsen in die Fressleiste zaubert. Dazu kommt, dass Joakim Nilsson das Material derart persönlich zwischen Soul und Sandpapier interpretiert, dass man fast schon um Seelenheil und Stimme des Sängers fürchten muss. Mit diesem Album sind GRAVEYARD stilistisch nicht mehr zu greifen. Der Wutausbruch von ´Never Theirs To Sell´ ist in 2:15 Minuten vorbei und hat nichts mit dem zärtlichen ´Stay For A Song´ und den unglaublichsten Balladen der letzten Jahre (´Exit 97´, ´Too Much Is Not Enough´) gemein. Mein Favorit ist übrigens die stramme Single ´The Apple And The Tree´, obwohl die eingeflochtenen Krautrock-Einflüsse in Uptempo-Riffern wie ´Can´t Walk Out´ und ´From A Hole In The Wall´ die Spielwiese des Quartetts ganz schön aufgemotzt haben. Die Wahl des Stockholmer Analog-Tempels Atlantis (wo Opeth „Heritage“ aufgenommen, aber nicht ganz proper zu Ende gebracht haben) erweist sich hierbei als Volltreffer. „Innocence & Decadence“ ist ein vielschichtiges Meisterwerk der Dynamik, das man am besten laut hört.

DISKOGRAFIE


Graveyard (2007)
Hisingen Blues (2011)
Lights Out (2012)
Innocence & Decadence (2015)

LINE-UP


Joakim Nilsson (g./v.)
Jonatan Ramm (g./v.)
Truls Mörck (b.)
Axel Sjöberg (dr.)

DIE PATEN


Wer auf folgende Bands steht, wird auch an „Innocence & Decadence“ seine helle Freude haben:

Blues Pills * Horisont * Zodiac * Heat * Kadavar * The Vintage Caravan * Orchid * Rival Sons * Witchcraft * Mammoth Mammoth * The Answer * Wolfmother * Vidunder * Samsara Blues Experiment * Brimstone Coven


Ein Interview mit GRAVEYARD findet ihr auf den Seiten 44/45 in diesem Heft!


Holger Stratmann 9.0

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