ReviewAlbum des Monats

Band
SORCERER 
Kategorie
Album des Monats 
Heft
RH #335 
Titel
In The Shadow Of The Inverted Cross 
Erscheinungsjahr
2015 
Note
9.0 

Metal Blade/Sony (54:04)
SORCERER haben ´nen Riesenvorteil: Im Gegensatz zu den Hundertschaften an mal verdrucksten, mal besonders vorlauten, immer nach links und rechts schielenden Flaumbärten, denen aus Angst vor mangelnder „Authentizität“ alle fünf Minuten was Flüssiges das Beinkleid runterläuft, waren sie bereits da in einer Zeit, als der Metal halt noch Metal war und der Underground eine Erweiterung des Offensichtlichen und nicht vor allem große Pose. Dementsprechend wenig geben die Schweden um den späteren Tiamat-Basser Johnny Hagel auch auf aktuelle Szene-Kodizes und schämen sich nicht für ihre Vorlieben: Wie schon auf ihren in der Tat legendären Demos von ´89 und ´92 (1995 als CD wiederveröffentlicht) scheint auch auf ihrem offiziellen Debüt, ca. 300 Jahre später, die große Begeisterung für Candlemass und Solitude Aeturnus durch, die Basis ist immer klassischer Doom Metal. Aber SORCERER machen auch keinen Hehl daraus, dass sie auf typischeren Hardrock und Heavy Metal abfahren, sie verehren Rainbow so, wie es Veni Domine taten, vor allem zu Zeiten ihres grandiosen Debüts „Fall Babylon Fall“, sie flechten skandinavischen Melodic- und Power Metal ähnlich ein wie ihre Landsmänner Memory Garden und Memento Mori, und sie erinnern nicht nur einmal an Black Sabbath zur immer noch viel zu oft unterschlagenen, einfach großartigen „Headless Cross“-Phase.
Was „In The Shadow Of The Inverted Cross“, prachtvoll unaufgeregt produziert von Drummer Robert Iversen, so wertvoll macht, ist aber natürlich nicht seine Stilistik, sondern das über weite Strecken überragende Songwriting inklusive unendlich großer Gesten: Selten hat man in den letzten Jahren ergreifendere, ausladendere, trotz ihrer Opulenz niemals klebrige Refrains gehört, die sich gleichermaßen in Herz und Hirn brennen, ohne sich abzunutzen. Mag sein, dass ´Exorcise The Demon´ und der Titeltrack, beide ein bisschen unscheinbar, die Höchstnote verhindern; die sechs anderen Monster der Platte gehen dafür in ihrem Genre bereits jetzt als Klassiker durch.
Das sicherlich beste „Echt“-Metal-Album des Jahres.

DISKOGRAFIE
Sorcerer (Demo-Compilation, 1995)
In The Shadow Of The Inverted Cross (2015)


LINE-UP
Anders Engberg (v.)
Kristian Niemann (g.)
Peter Hallgren (g.)
Johnny Hagel (b.)
Robert Iversen (dr.)


DIE PATEN
Wer folgende Acts mag, wird auch auf „In The Shadow Of The Inverted Cross“ abfahren:

Candlemass * Solitude Aeturnus * Veni Domine * Black Sabbath * Memory Garden * Memento Mori * Doomshine * Warning * While Heaven Wept * Procession * Isole * Forsaken * Mountain Throne * Below * Rainbow
Ein Interview mit SORCERER findet ihr auf Seite 60 in diesem Heft.


Boris Kaiser 9.0

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