ReviewAlbum des Monats

Band
SANCTUARY 
Kategorie
Album des Monats 
Heft
RH #329 
Titel
The Year The Sun Died 
Erscheinungsjahr
2014 
Note
8.5 

Century Media/Universal (49:51)
Um das Wichtigste direkt zu klären: Ja, „The Year The Sun Died“ klingt nicht wie „Refuge Denied“ oder „Into The Mirror Black“ (im Übrigen wird heute gerne mal vergessen, dass auch diese beiden Platten sehr unterschiedlich sind), und ja: SANCTUARY führen ein Stück weit das Erbe Nevermores fort. Aber im Ernst: Wer hat denn bitte anderes erwartet? Das Gute: „The Year The Sun Died“ tönt trotz einer ähnlich melodischen, „songorientierten“ Herangehensweise, wie sie beim Nevermore-Schwanengesang „The Obsidian Conspiracy“ vorherrschte, wesentlich organischer, bandmäßiger, weniger konstruiert und gewollt, zudem präsentiert sich das sehr gute Riffing von Lenny Rutledge und Brad Hull anders, eben direkter als das Spiel von Jeff Loomis.
Die Wahrheit ist allerdings auf dem Platz, aber keine Sorge: Der sehr gut singende Warrel Dane und seine Hintermänner liefern auf diesem von Zeuss (u.a. Soulfly, Hatebreed) geschmackvoll sicher produzierten Album, das modern, aber lebhaft klingt, amtlich schneidenden Stahl ab. Der Opener ´Arise And Purify´, der unglücklicherweise als erster offizieller Teaser fungierte, wirkt noch unscheinbar, das Folgende begeistert deutlicher. In ´I Am Low´ zeigt sich noch mal das Verständnis vor allem Danes für emotionale Balladen, drum herum hat die Band einige Refrain-Schwergewichte (in den Refrains schaltet man tempomäßig übrigens regelmäßig einen Gang zurück; fast schon ein Trademark dieses Albums) erarbeitet, die bleibenden Charakter aufweisen. Am tollsten ist ´Question Existence Fading´, aber auch ´Let The Serpent Follow Me´, ´Exitium (Anthem Of The Living)´, ´Frozen´ (alle Teil der bockstarken ersten Hälfte), ´The World Is Wired´ oder ´The Year The Sun Died´ werden gerne mit offenen Armen und sonnigem Gemüt empfangen. Da kann man die zwei, drei abfallenden Sind-halt-auch-drauf-Schoten (´One Final Day´, ´The Dying Age´...) letzten Endes locker verschmerzen.

DISKOGRAFIE
Refuge Denied (1987)
Into The Mirror Black (1989)
The Year The Sun Died (2014)


LINE-UP
Warrel Dane (v.)
Lenny Rutledge (g.)
Brad Hull (g.)
Jim Sheppard (b.)
Dave Budbill (dr.)


DIE PATEN
Wer mit folgenden Bands etwas anfangen kann, sollte unbedingt in „The Year The Sun Died“ reinhören:

Nevermore * Megadeth * Helstar * Flotsam And Jetsam * Jag Panzer * Metal Church * Mercyful Fate * Tad Morose * Riot * Savatage * Iced Earth * Vicious Rumors * Huntress * Queensryche * Crimson Glory * Testament * Brainstorm * Morgana Lefay


Ein Interview mit SANCTUARY lest ihr auf den Seiten 22/23 in diesem Heft


Boris Kaiser 8.5

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