ReviewAlbum des Monats

Band
ICED EARTH 
Kategorie
Album des Monats 
Heft
RH #320 
Titel
Plagues Of Babylon 
Erscheinungsjahr
2013 
Note
8.0 

Century Media/Universal (62:24)
Ich gestehe, dass ich ICED EARTHs Karriere nach dem neuerlichen Ausstieg von Matt Barlow mehr oder weniger abgeschrieben hatte. Schon mit Ripper Owens verlor die Band trotz des überragenden „The Glorious Burden“ stündlich an Popularität, weil Matt einfach bis in alle Ewigkeit mit ICED EARTH-Sternstunden à la ´Melancholy´, ´I Died For You´, ´Watching Over Me´ oder ´The Hunter´ assoziiert werden und als einer der besten Frontmänner des „modernen“ US-Metal unersetzbar bleiben würde. Ein relativ unbeschriebenes Blatt wie Stu Block (seine Vorgängerband Into Eternity war ja nur Insidern ein Begriff) würde keine reelle Chance von den Fans bekommen, dachte ich, gute Stimme hin oder her. Aber weit gefehlt: Stu machte seine Sache auf Anhieb ziemlich gut und konnte sich - trotz teils sehr ähnlicher Stimmfärbung - schnell aus dem Matt-Barlow-Schatten befreien. „Plagues Of Babylon“ ist nun sein zweites vollständiges Album mit ICED EARTH (die Live-Scheibe zwischendrin nicht mitgerechnet) und eine absolut souveräne Vorstellung. Er klingt selbstbewusster, ein bisschen eigenständiger und passt sich den Stimmungen der einzelnen Songs besser an. Seine „Ripper-Owens-Kopfstimme“ (die er ebenfalls beherrscht) setzt er seltener ein, das warme Matt-Barlow-Timbre kommt noch ziemlich oft durch, aber unterm Strich dominiert sein kraftvolles US-Metal/Melodic-Thrash-Organ.
Bandkopf Jon Schaffer steht natürlich trotzdem im Mittelpunkt des Geschehens und feuert ein typisches ICED EARTH-Riff nach dem anderen ab. Die Anschläge seiner rechten Hand erinnern wie gehabt oft an den frühen James Hetfield, erfolgen aber auch in höchstem Slayer-Tempo mit einer Präzision, die schlicht einmalig ist. Es gibt eigentlich kaum einen Rhythmusgitarristen im härteren Metal-Bereich, der Jon hier Paroli bieten kann (Gary Holt und Lee Altus wie immer ausgenommen). Super!
Das Songmaterial ist ebenfalls durchgängig stark und reicht von typischen ICED EARTH-Hymnen wie ´Plagues Of Babylon´, ´The Culling´ oder ´The End?´ bis hin zur tollen Coverversion des Country-Standards ´Highwayman´, bei dem neben Stu auch Jon selbst, Volbeats Michael Poulsen (sehr gut) und Symphony X´ Russell Allen (überragend!) am Gesangsmikro zu hören sind. Die eine oder andere Melodie kennt man zwar von älteren ICED EARTH-Scheiben, aber die Trefferquote ist trotzdem sehr hoch. Insgesamt einen Tick stärker als der Vorgänger „Dystopia“ und daher verdientermaßen Album des Monats. Well done, angry men!

LINE-UP
Jon Schaffer (g.)
Troy Seele (g.)
Stu Block (v.)
Luke Appleton (b.)
Raphael Saini (dr.)

DISKOGRAFIE (Studioalben)

Iced Earth (1990)
Night Of The Stormrider (1991)
Burnt Offerings (1995)
The Dark Saga (1996)
Days Of Purgatory (Demos & Re-Recordings, 1997)
Something Wicked This Way Comes (1998)
Horror Show (2001)
Tribute To The Gods (Covers, 2002)
The Glorious Burden (2004)
Framing Armageddon (2007)
The Crucible Of Man (2008)
Dystopia (2011)
Plagues Of Babylon (2014)

DIE PATEN

Dieses Album solltet ihr euch einverleiben, wenn ihr auf folgende Bands steht:

Metallica * Iron Maiden * Judas Priest * Slayer * Thin Lizzy * Kiss * Symphony X * Into Eternity * Saxon * Accept * Annihilator * Death Angel * Forbidden * Kreator * Jag Panzer * Running Wild


Götz Kühnemund 8.0

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