ReviewAlbum des Monats

Band
ACCEPT 
Kategorie
Album des Monats 
Heft
RH #299 
Titel
Stalingrad 
Erscheinungsjahr
2012 
Note
9.0 

Nuclear Blast/Warner (51:39)
Haben sie es nun geschafft oder nicht? Ist „Stalingrad“ ein würdiger Nachfolger für den weltweit abgefeierten Knaller „Blood Of The Nations“ (immer noch ganz oben in unseren Lesercharts) geworden? Oder doch nur ein enttäuschender Nachschlag?
Nun, die Antwort ist nicht leicht, und ich habe „Stalingrad“ wochenlang rauf- und runtergehört (obwohl mir schon der allererste Durchlauf - und da waren es noch unfertige Demos - gefiel), bevor ich mir wirklich sicher war: Ja, ACCEPT haben es geschafft! Sie haben ein genauso starkes Album hingekriegt. Und es gibt sogar einzelne Aspekte an „Stalingrad“, die das Wort „Steigerung“ rechtfertigen.
Zuallererst wäre da Wolf Hoffmanns unglaublich gute Gitarrenrbeit, díe NIE besser war. Klingt maßlos übertrieben, ich weiß, ist aber absolut ernst gemeint: Die vielen kleinen Geniestreiche im Rhythmus- und Leadgitarrenbereich stellen alle ACCEPT-Alben der Vergangenheit in den Schatten und verdeutlichen (einmal mehr), wie verdammt unterbewertet dieser Mann ist. Wolf erreicht stellenweise sogar das Niveau eines Michael Schenker Ende der Siebziger/Anfang der Achtziger, der sich ja ebenfalls durch „mitsingbare“ Soli, Klassik-Einflüsse und charakteristisches Rhythmusspiel ausgezeichnet hat. Und wer heutzutage der (viel) bessere Gitarrist von beiden ist, versteht sich ja eh von selbst.
Aber es ist nicht nur das Gitarrenspiel, das aus „Stalingrad“ ein tolles Album macht. Die Band hat es einfach NOCH besser verstanden, ihre Stärken zu bündeln und mit allen (!) zehn Songs genau das abzuliefern, was sich ein ACCEPT-Fan wünscht. Trotzdem ist genügend Licht und Schatten vorhanden, um auch Abwechslung zu garantieren und nicht eintönig oder ZU berechenbar zu klingen. Es gibt den Epic (´Stalingrad´) ebenso wie den Melodic-Banger (´Shadow Soldier´), den düsteren Stampfer (´The Galley´), den groovigen Nackenbrecher (´Hellfire´) oder den gnadenlosen Hardrock-Ohrwurm (´Twist Of Fate´). Viel Dynamik, viel Tempo, viel Gedrosselteres, viel Härte, viel Melodie - alles da! Und Mark Tornillo singt, kreischt und brüllt sich durch sämtliche Facetten des ACCEPT-Sounds, als hätte er nie was anderes im Leben gemacht. Dabei klingt er zwar MANCHMAL wie Udo, aber längst nicht immer. Mark hat, vor allem wenn er singt, eine eigene, charakteristische Stimme und genügend Souveränität, um die ACCEPT-Trademarks würdevoll umsetzen zu können.
Der Vorgänger „Blood Of The Nations“ ist nicht zu toppen, das weiß auch die Band. Aber das Kunststück, einen ebenbürtigen Nachfolger rauszuhauen, der auch in ein paar Jahren noch als solcher wahrgenommen wird, ist mit etwas Zauberei zu schaffen. Am Ende des Tages müsst ihr entscheiden, ob „Stalingrad“ auf derselben Stufe wie „Blood Of The Nations“ steht. Meine Antwort kennt ihr ja.

DISKOGRAFIE (nur Studioalben)
Accept (1979)
I´m A Rebel (1980)
Breaker (1981)
Restless And Wild (1982)
Balls To The Wall (1983)
Metal Heart (1985)
Russian Roulette (1986)
Eat The Heat (1989)
Objection Overruled (1993)
Death Row (1994)
Predator (1996)
Blood Of The Nations (2010)
Stalingrad (2012)

LINE-UP
Wolf Hoffmann (g.)
Peter Baltes (b.)
Herman Frank (g.)
Stefan Schwarzmann (dr.)
Mark Tornillo (v.)

DIE PATEN
Wer auf ACCEPT steht, mag auch:
Judas Priest * MSG * UFO * Rainbow * AC/DC * W.A.S.P. * U.D.O. * Bullet * Krokus * Gamma Ray * Warlock * Killer * Ram * Torch * High Spirits

Und das sagt die Band:
»Nee! Das gibt´s doch nicht! Schon wieder Album des Monats? Wir fühlen uns geehrt und sind gerührt; auf der Tour werden wir noch einen drauflegen. Wie könnten wir uns auch anders bei unseren Fans bedanken? Im Namen von uns allen: ein fettes Metal-Thank-you!«
Wolf, Peter, Mark, Herman & Stefan


Götz Kühnemund 9.0

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