ReviewAlbum des Monats

Band
BLIND GUARDIAN 
Kategorie
Album des Monats 
Heft
RH #279 
Titel
At the Edge of Time 
Erscheinungsjahr
2010 
Note
9.0 

Nuclear Blast/Warner (64:01)

Nach zwei experimentelleren Alben, die nicht alle Fans überzeugen konnten, setzen BLIND GUARDIAN ein beeindruckendes Ausrufezeichen, bei dem man nicht mal ansatzweise Bock hat, sich über so etwas wie mögliche Mängel überhaupt nur Gedanken zu machen. Alles, was zuletzt vielleicht nicht ganz optimal war, erstrahlt hier in strahlender Perfektion. Die Gesangsmelodien sind griffiger, nicht mehr so um die Ecke gedacht, der bei allem Bombast angenehm natürliche Sound lässt die Krefelder enorm energiegeladen rüberkommen und degradiert 99 Prozent aller aktuellen Metal-Produktionen zu mausgrauem Plastikschrott, die partielle Rückkehr zum Thrash/Speed-Metal der 90er sorgt für die nötigen Donnerschläge in den High-End-Fantasy-Klangkathedralen, und das Songwriting bewegt sich durchweg auf schwindelerregend hohem Niveau.
Die old-schoolige Thrash-Hymne ´Tanelorn (Into The Void)´, die brachiale erste Single ´A Voice In The Dark´, die Uptempo-Granate ´Ride Into Obsession´ und der „Nightfall...“-artige Überhit ´Valkyries´ dürften nicht nur bei älteren Anhängern die Freudentränen kullern lassen, während den mit grandiosen Spannungsbögen versehenen Midtempo-Epen ´Road Of No Release´ und ´Control The Divine´ die perfekte Balance zwischen metallischer Urgewalt und gediegenem Breitwandkino gelingt und die Balladen - die Irish-Folk-Nummer ´Curse My Name´ und das von Klavier und Streichern getragene ´War Of The Thrones´ - sehr stimmungsvolle, großartig arrangierte Farbtupfer setzen. Zusammengehalten wird die schillernde Wundertüte von den beiden jeweils neunminütigen, Hollywood-Soundtrack-tauglichen Orchester/Metal-Feuerwerken ´Sacred Worlds´ (um Lichtjahre besser als die PC-Game-Version ´Sacred´) und dem orientalisch angehauchten, von einem majestätischen Kirchenchor gekrönten ´Wheel Of Time´, mit denen BLIND GUARDIAN völlig neue musikalische Horizonte erschließen und gegen die alle bisherigen Klassik-Hybrid-Versuche anderer Schwermetall-Bands wie alberner Klimperkitsch klingen.
Je häufiger man die CD hört, desto größer wird die Gewissheit: Mit „At The Edge Of Time“ hat Deutschlands beste Metalband einen Geniestreich abgeliefert, der auf einer Stufe mit den bisherigen Guardian-Highlights „Tales From The Twilight World“, „Somewhere Far Beyond“, „Imaginations From The Other Side“ und „Nightfall In Middle-Earth“ steht. Bislang ganz klar die Platte des Jahres!


Michael Rensen 9.0

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