ReviewAlbum des Monats

Band
INTO ETERNITY 
Kategorie
Album des Monats 
Heft
RH #202 
Titel
Buried In Oblivion 
Erscheinungsjahr
2004 
Note
10.0 

(44:47)
Anacrusis? Schon lange weg vom Fenster. Death? Der Bandname wurde bedauerlicherweise zum schlechten Omen. Gott habe Chuck Schuldiner selig. Voivod? Immer noch klasse, klingen aber wieder wie ´84. Psychotic Waltz? Weggekifft. Meshuggah? Großartig, aber zu kalt, um die Seele mitzureißen.
Der nicht mehr ganz so neue Heilsbringer kommt aus Kanada, setzt mit seinem dritten Album „Buried In Oblivion“ (die Vorgänger „Into Eternity“ und „Dead Or Dreaming“ gehören auch in jede Sammlung) Maßstäbe und verbindet die besten Momente oben genannter Gänsehautgaranten zu einem völlig eigenständigen Sound. Das Quintett prügelt sich von härtesten Death-Metal-Parts mit entsprechenden Vocals in supersmoothe Jahrhundertmelodien, die von mehrstimmigen, cleanen Vocals getragen werden, die gerne auch mal Kanon-artig rüberkommen dürfen. Die hoch komplexe Gitarrenarbeit ist niemals eigennützig und angeberisch, sondern führt immer in Zwischenparts oder Refrains, die bereits nach zweimaligem Hören völlig süchtig machen und einen vor Begeisterung schreien lassen möchten. Hier geht alles.
„Buried In Oblivion“ spricht den Kopf an - keine Frage. Wer jetzt aber denkt, diese Dreiviertelstunde funktioniert nur unter dem Kopfhörer, hat sich komplett geschnitten. Bei einem Track wie ´Spiralling Into Depression´ grooven sich die Canucks ins Nirwana und packen dich dermaßen am Schlafittchen, dass du einfach nicht mehr ruhig sitzen bleiben kannst. Mit dem Titeltrack (dessen Refrain im folgenden, knapp siebenminütigen ´Black Sea Of Agony´ wieder aufgenommen wird) und dem Abschluss ´Morose Seclusion´ gibt´s zudem zwei formidable Balladen ohne jeden Schmus und bar jeder Vorhersagbarkeit.
Prog-Metaller, Power-Metal-Freaks und Death-Metal-Jünger: Komplett wahnsinnige Granaten wie ´Splintered Visions´, ´Embraced By Desolation´ (wie geil ist das eigentlich?), ´Three Dimensional Aperture´, ´Beginning Of The End´ oder ´Isolation´ sind für euch, setzen irgendwo da an, wo die ebenfalls formidablen Soilwork aufhören, und verbinden den Geist der Avantgarde (Anacrusis, Thought Industry, Civil Defiance) mit der Eingängigkeit von wahlweise Dream Theater oder Hypocrisy.
Ein besseres Metal-Album wird es dieses Jahr wohl nicht mehr geben. Der schiere Hammer!


Boris Kaiser 10.0

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