ReviewAlbum des Monats

Band
DISBELIEF 
Kategorie
Album des Monats 
Heft
RH #198 
Titel
Spreading The Rage 
Erscheinungsjahr
2003 
Note
10.0 

(57:13)
Es gibt - vor allem in England - Magazine, die ab und zu das „gefährlichste Rockalbum aller Zeiten“ abfeiern. Zuletzt waren das u.a. (sicherlich nicht unberechtigt) „Nevermind“ von Nirvana, „Rated R“ von den Queens Of The Stone Age und „Relationship Of Command“ von At The Drive-In. Dem soll an dieser Stelle einer draufgesetzt werden: „Spreading The Rage“ ist nach „Reign In Blood“, „At The Heart Of Winter“ und „Honour - Valour - Pride“ für meinen Geschmack das gefährlichste Extrem-Metal-Album.
Und dieses Meisterwerk kommt von einer Band, die mich mit ihren frühen Veröffentlichungen nicht gerade aus der Reserve locken konnte. Erstmals geplättet war ich, als die 2001er Scheibe „Worst Enemy“ auf mich niederprasselte. Der ebenfalls bärenstarke Nachfolger „Shine“ war - dies weiß man nach dem Genuss von „Spreading The Rage“ - eine Art Zwischenstufe in der Metamorphose der hessischen Band vom puren Death-Metal-Act zu einem universellen Kraftpaket. DISBELIEF gelingt es auf wundersame Weise, eine knappe Stunde lang epische Stahlteppiche mit spartanischem Minimalismus zu verbinden, Extrem-Wurzeln mit modernen, stilfremden Einflüssen nahtlos zu verschmelzen, pure Aggression mit einer klischeefreien Form des Emo-Genres zu kombinieren. Sprich: So eine Platte kann entstehen, wenn man Death Metal der Marke Bolt Thrower lebt, die Deftones wirklich an sich ranlässt, Neurosis gleichermaßen liebt und erleidet, Voivod respektiert und den zeitlosen Wahnsinn von Killing Joke mutig benutzt - und wenn man sich dazu ein spielerisches wie auch kompositorisches Niveau erarbeitet hat, von dem unzählige Brutalcombos nur träumen können.
Die überwiegend im Midtempo donnernde, aber dennoch allumfassende Musik in Verbindung mit Andy Classens bis dato ausgereiftester Produktion wird im Falle von DISBELIEF beinahe beispiellos bereichert durch Karsten Jägers Stimme. Faszinierend krank - mehr fällt mir dazu nicht ein. Was dieser Typ abartig grunzschreit, um im nächsten Moment (erstmals) auch Gänsehaut-verdächtig zu singen, kann fast nicht diesseitig sein! Ja, extremster Metal vermag auch die Seele zu rühren. Das hier ist die Faszination der Rockmusik: Alle Beteiligten kochen nur mit Wasser, aber Gourmetkost ist das Resultat.
P.S.: Eigentlich ist es quasi verboten, Unantastbares wie Killing Joke zu covern. Bei DISBELIEF und ihrer wunderschönen Interpretation von ´Democracy´ machen wir aber gerne eine Ausnahme. Hoffentlich bekommt Jaz Coleman das Stück mal zu hören...


Wolf-Rüdiger Mühlmann 10.0

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