ReviewAlbum des Monats

Band
AUDIOSLAVE 
Kategorie
Album des Monats 
Heft
RH #188 
Titel
Audioslave 
Erscheinungsjahr
2002 
Note
8.5 

(65:28)
Gitarre und Bass eingestöpselt, Effektpedale zurechtgerückt, Schlagzeugfelle nachgespannt, Mikro fiepfrei ausgepegelt und ab durch die Mitte! Die Rage Against The Machine-Rumpfmannschaft und Ex-Soundgarden-Röhre Chris Cornell überlegen nicht lange, wie sie ihre unterschiedliche musikalische Vergangenheit unter einen Hut bekommen können, sondern rocken einfach unbeschwert und mit ordentlich Feuer im Hintern drauflos. Ihr in gerade mal drei Wochen entstandenes AUDIOSLAVE-Album verlässt sich im Wesentlichen auf zwei Arten von Songs: harte, höllisch groovende Riff-Monster mit R.A.T.M.-Unterbau und räudigem Early-Soundgarden-Gesang (herausragend: das Opening-Trio ´Cochise´, ´Show Me How To Live´ und ´Gasoline´ sowie das stampfende ´Set It Off´) und relaxtere Halbballaden mit leichten Anklängen an die ebenfalls von „Audioslave“-Producer Rick Rubin betreuten letzten beiden Red Hot Chili Peppers-Scheiben (Highlights: ´What You Are´, ´Like A Stone´ und ´Shadow On The Sun´). Zwischendurch packt Tom Morello sogar mal ´ne Akustikgitarre aus und schüttelt sich bei ´Getaway Car´ völlig überraschend ein lupenreines Bluessolo aus dem Ärmel. Seine typischen Noise- und Effektparts hat er zwar beibehalten, baut sie jedoch seltener und diskreter in die kompakten Rocknummern ein. Nach hinten raus betritt er mit seinen Kollegen gar absolutes Neuland und verblüfft mit der wehmütigen Lonesome-Cowboy-Lagerfeuer-Schmonzette ´I Am The Highway´, der unwiderstehlichen, rhythmisch an Portishead erinnernden Trance/Drum´n´Bass-Abfahrt ´Hypnotize´ und dem wie eine Light-Version von Tool klingenden Düsterbatzen ´Bring ‘em Back Alive´.
Unterm Strich reicht „Audioslave“ in Sachen Innovation und Ohrwurm-Faktor nicht ganz an die Höhepunkte der R.A.T.M.- bzw. Soundgarden-History heran, weiß ansonsten aber ohne nennenswerte Abstriche zu überzeugen. Cornell singt so emotional wie seit „Badmotorfinger“ nicht mehr, die Texte haben Tiefgang und durchaus auch sozialkritische Ansätze, und die Herren Morello, Commerford und Wilk zocken nach wie vor den beeindruckendsten Groove-Rock diesseits des Andromeda-Nebels.


Michael Rensen 8.5

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