ReviewAlbum des Monats

Band
OPETH 
Kategorie
Album des Monats 
Heft
RH #187 
Titel
Deliverance 
Erscheinungsjahr
2002 
Note
8.5 

(61:52)
Obwohl ich die stil- und geschmackvoll zwischen Todesblei und Progressive Rock hin- und herpendelnden Schweden schon immer interessant fand, konnte mich keine der bisherigen Scheiben so richtig überzeugen. Etwas anders verhält es sich mit dem aktuellen, in ein superfettes Soundgewand gekleideten Rundling. Dabei soll "Deliverance" lediglich der erste Teil eines sich über zwei Alben erstreckenden Konzepts sein, dessen von Porcupine Tree-Mastermind Steven Wilson produzierter Nachfolger "Damnation" im März nächsten Jahres nachgeschoben werden soll.
Die fünf traditionell überlang gehaltenen neuen Songs beackern vertrautes Terrain und geizen auch nicht mit progressiven Schlenkern, wobei der metallische Unterbau an manchen Stellen einen aufregend klingenden Psychedelic-Anstrich verpasst bekommen hat. Der gut elfminütige Opener ´Wreath´ knallt schon mal mächtig rein und geht trotz zahlreicher Breaks als härtestes Stück der Scheibe durch, obwohl der anschließende, mit ´nem furiosen, Voivod-mäßigen Beginn durchstartende 13-minütige Titelsong anfangs nicht minder heftig durch die Botanik pflügt. Aufgelockert wird ´Deliverance´ durch ruhige Zwischenparts, die nicht zuletzt auf Grund der cleanen Vocals (ich tippe hier einfach mal auf Steven Wilson) stark an Porcupine Tree erinnern und auf den eigentlichen Höhepunkt der Scheibe einstimmen: ´A Fair Judgement´ ist recht melancholisch gehalten und kann in der ersten Hälfte mit den schönsten Gitarrenharmonien der Scheibe aufwarten. Dem Instrumental ´For Absent Friends´ folgen zwei weitere Longtracks, die zwar gut, aber leider nicht mehr zwingend ausgefallen sind.
Dies ergibt vor allem dank der ersten drei Nummern eine saustarke Scheibe, die neugierig auf den zweiten Teil macht. Bis der erscheint, gilt es allerdings alle Details und Nuancen von "Deliverance" zu erfassen. Wer dann noch Zeit hat oder ganz allgemein von Mikael Akerfeldts Gesang nicht genug kriegen kann, sollte mal in die ebenfalls diesen Monat erscheinende zweite Bloodbath-Scheibe reinhören, wo sich der Mann zu fiesestem Old-School-Geknüppel kompetent den Wolf gurgelgrunzt. Ein schönes Kontrastprogramm.


Wolfgang Schäfer 8.5

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