ReviewAlbum des Monats

Band
STABBING WESTWARD 
Kategorie
Album des Monats 
Heft
RH #169 
Titel
Stabbing Westward 
Note
9.0 

STABBING WESTWARD standen atmosphärischen Elektro-Rock-Bands wie Filter oder NIN immer schon näher als beispielsweise einem Krach-Kommando wie Ministry. Mit ihrem vierten Album verabschieden sich die Chicagoer nun endgültig vom Industrial-Ballast und gehen noch einen großen Schritt weiter in die ruhige Richtung: Die Tribal-Passagen wurden komplett verbannt, die Synthies sind dezenter und unterstreichen nur noch mit warmen Sounds die jeweilige Stimmung, die Gitarren sind eher verträumt als rockig und fügen sich songdienlich ins Gesamtbild ein, und Christopher Halls zutiefst emotionaler Gesang steht noch mehr als bisher im Vordergrund. Dieser auf das Wesentliche reduzierte Sound enttäuscht zunächst etwas, weil er vermeintlich langweiliger wirkt; doch mit jedem Hören wächst er. Mehr und mehr. Die subtilen Songs besitzen nämlich dermaßen viel Potenzial, dass sie ihre Wirkung auch (oder besser: nur) so entfalten. Im Mittelpunkt stehen ausschließlich die wunderschönen Melodien und die melancholische Atmosphäre - geradezu hypnotisch!
Passend dazu gibt es nachdenkliche Texte, die sich beispielsweise mit gefühlsmäßiger Distanz in einer Beziehung (´So Far Away´), der Depression nach dem Orgasmus (´Wasted´: „I try to fuck my loneliness away“) und der Wahrhaftigkeit von Gefühlen (´Happy´) auseinandersetzen.
Der absolut zeitlose Düster-Rock besitzt enorm viel Tiefgang und macht diesen nicht ohne Grund selbstbetitelten Neuanfang ohne Wenn und Aber zum Album des Monats! Bleibt nur zu hoffen, dass die neue Plattenfirma das enorme Potenzial erkennt und sich für die bislang sträflich unterbewertete Band entsprechend ins Zeug legt.


Marcus Schleutermann 9.0

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