ReviewAlbum des Monats

Band
DREAM THEATER 
Kategorie
Album des Monats 
Heft
RH #177 
Titel
Six Degrees Of Inner Turbulence 
Erscheinungsjahr
2002 
Note
9.0 

Nein, DREAM THEATER haben ihr Meisterwerk „Scenes From A Memory“ nicht toppen können. Im Gegensatz zum ultrakompakten, perfekt arrangierten ´99er Konzeptalbum weist der neue Doppeldecker vereinzelte Längen auf und lässt vollkommen magische Momente à la ´The Dance Of Eternity´ oder ´Beyond This Life´ leider etwas vermissen. Aber hey, wir reden hier von DREAM THEATER, und die liefern natürlich auch mit „nur“ 95 Prozent Einsatz noch Songs ab, die der Konkurrenz mit spielerischer Leichtigkeit die DNA durcheinander wirbeln.
Mit der 14-minütigen Riff-Kanonade ´The Glass Prison´ läutet der härteste DT-Song aller Zeiten die erste, atmosphärisch ein wenig an „Awake“ erinnernde CD ein. Ultrahartes Riffing und mörderisch peitschende Drums knüppeln selbst härteste Thrasher von der Piste - wer sich hier nicht anschnallt, kann schon mal ´nen Langzeitaufenthalt auf der Intensivstation buchen. ´Blind Faith´ beginnt gemäßigter und besticht mit schönen Klavier-Intermezzi, doch spätestens im Refrain wird auch hier höllisch hart gegroovt. ´Misunderstood´ lässt mit düster-psychedelischen Sounds Zeit zum Verschnaufen, gegen Ende nerven die arg freakigen Klangspielereien allerdings ein wenig. Schlüssiger ist da schon ´The Great Debate´, das wie der Opener nach 14 Minuten über die Ziellinie spurtet und fast genauso heftig gegen die Trommelfelle pocht. Gefühlvolle Steigerungen, markante Riffs und eingängige Gesangsmelodien machen die Nummer zum größten Ohrwurm der Scheibe, bevor mit ´Disappear´ eine typische, entspannte DT-Ballade den sich überschlagenden Puls wieder auf Normaltempo herunterfährt.
Aber danach heißt es gleich wieder: festhalten, Ohren ganz weit auf und tiiiiief einatmen. Der 42-minütige Titeltrack, der die komplette zweite CD belegt, beginnt mit dem besten Metal/Klassik-Crossover-Stück aller Zeiten und brennt auch im weiteren Verlauf ein farbenprächtiges Ideenfeuerwerk nach dem anderen ab. Harte, treibende Metal-Parts, sphärische Schwebe-Passagen (bei ´Solitary Shell´ klaut man ein wenig bei Spock´s Beard), vertrackte Prog-Eruptionen (großartig: Jordans Rick Wakeman-Solo-Hommagen), gefühlvolle Gitarrenleads, atemberaubende Bass-Figuren, ungewöhnlich gemäßigte Vocals, grandiose Spannungsbögen und ein komplexes, tiefgründiges Textkonzept sichern dem Epos einen verdienten Ehrenplatz zwischen den beiden anderen großen DT-Monumentalwerken ´Scenes...´ und ´A Change Of Seasons´. So, und jetzt hört endlich auf, dieses blöde Review zu lesen, und reiht euch in die Warteschlange der DT-Süchtigen vor dem nächsten Plattenladen ein!


Michael Rensen 9.0

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