ReviewAlbum des Monats

Band
PARADISE LOST 
Kategorie
Album des Monats 
Heft
RH #77 
Titel
Icon 
Erscheinungsjahr
1993 
Note
10.0 

Wie in der Story im letzten Heft angekündigt, ist "Icon" der ganz heiße Anwärter auf die Scheibe des Jahres. Gegenüber den beiden Vorgängern "Shades Of God" und "Gothic" haben sich die Briten um Welten gesteigert. Und das sind immerhin Alben, die heute noch in den Rock Hard-Lesercharts vordere Positionen bekleiden. Demzufolge wird "Icon" jahrelang die Pole-Position blockieren. Schon der Opener 'Embers of Fire' groovt so tierisch, dass man unmöglich stillsitzen kann. Dazu dieser hyperfette Gitarrensound - habe nie einen besseren gehört! Das Zusammenspiel der Herren Mackintosh und Aedy erinnert von seiner Machart her an die Lead- und Rhythmusduelle des legendären Priest-Duos Tipton/Downing in ihren besten Zeiten ("Unleashed in the East"). Die beiden Paradise Lost-Gitarristen haben ihre eigene Interpretation dieses Stilmittels gefunden. Gregor Mackintosh sorgt pausenlos für äußerst ausgefeilte, sehr gefühlvolle Harmonien, da schwingen Hoffnung ('Forging Sympathy') und Melancholie (wie in dem schwermütigen 'Joys of the Emptiness') mit. Keiner setzt Tapping, Wah-Wah und Delay gefühlvoller ein als dieser junge Musiker, während sein Partner Aaron Aedy mit gradlinigen, präzisen Hammerriffs für einen mörderischen Groove sorgt. 'Dying Freedom' ist Gruft-Metal in Reinkultur, 'Collossal Rains' großartiger Doom-Bombast. Nicht nur hier fasziniert Sänger Nick Holmes mit seiner aussagekräftigen Stimme, die genügend Charisma besitzt. Gegrunze ade. Auch Seite zwei überzeugt: 'Weeping Words' und 'Poison' sind wiederum unglaublich heavy, während 'True Belief' schon fast Hitcharakter hat. 'Shallow Seasons' enthält erneut tolle Gitarrenharmonien und ein klasse Solo. Lediglich 'Christendom' wirkt etwas überhastet, obwohl die Passagen mit der von halbakustischen Gitarren begleiteten Sängerin dem Ideenfundus dieser Platte noch etwas hinzusetzen. Das starke Outro 'Deus Misereatur' beendet dann den ersten Metal-Meilenstein der Neunziger. Kann man direkt neben die Achtziger-Perlen "Reign In Blood" und "Ride The Lightning" in die Sammlung stellen. Killer!


Holger Stratmann 10.0

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