ReviewAlbum des Monats

Band
DREAM THEATER 
Kategorie
Album des Monats 
Heft
RH #125 
Titel
Falling Into Infinity 
Erscheinungsjahr
1997 
Note
9.0 

Eine neuerliche Revolution ist ausgeblieben. Dieses Album dürfte unter den Fans der New Yorker Prog/Metal-Superstars für kontroverse Diskussionen sorgen. Nach der Verschmelzung von Metal und barocken Prog-Elementen ("When Dream And Day Unite"), dem Melodic Metal-Feuerwerk "Images And Words" und dem experimentierfreudigen Einzug in die Soundwelten der Neunziger ("Awake") haben DREAM THEATER mit "Falling Into Infinity" - Spielzeit: 78:20 Minuten (!) - ein Scheibchen vorgelegt, das mit seinen vier balladesken Tracks und vielen weiteren dezenten Passagen wie ein verkehrsberuhigtes Anhängsel von "Awake" wirkt und eine Reihe von Fragezeichen aufwirft. Um nicht mißverstanden zu werden: Der vierte Longplayer der fünf Virtuosen enthält für meinen Geschmack durchweg gute bis herausragende Kompositionen, wurde wie gewohnt brillant eingespielt und ist sein Geld auch ohne Meilenstein-Krönchen in jedem Falle wert. Mir persönlich (diversen Kollegen geht's ähnlich) fehlen allerdings mitreißende Highlights der Güteklasse 'Afterlife', 'Pull Me Under', 'The Mirror/Lie' oder 'A Change Of Seasons'. Zudem fällt auf, daß Keyboarder Derek Sherinian nicht aus dem langen Schatten seines genialen Vorgängers Kevin Moore herausgetreten ist, der den bisherigen Alben unmißverständlich seinen Stempel aufgedrückt hatte und auf der Melody-Ebene für ähnlich viele "Aha"-Effekte sorgte wie Meistergitarrist John Petrucci. Derek ist handwerklich ein unbestrittener Könner, der sich optimal integriert hat, aber Kevin bleibt in der Abteilung "das gewisse Etwas" eine Klasse für sich. Mr. Petrucci (mit noch stärkerem Hang zu gruftigen Kellergeister-Rhythmus-Sounds als auf "Awake"), Über-Drummer Mike Portnoy, das stille Bass-Wunder John Myung und Sänger James LaBrie (souliger und rauher unterwegs als zuletzt) kultivieren indes nach wie vor ihren ureigenen Stil. Trotz der starken Hanglage Richtung Rush und des teils gewöhnungsbedürftigen Songwritings bleiben sie auf ihrem Sektor auch mit "Falling Into Infinity" klar die Nummer eins. Anspieltips: 'Just Let Me Breathe' und 'Peruvian Skies'.


Matthias Breusch 9.0

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