ReviewAlbum des Monats

Band
GEDDY LEE 
Kategorie
Album des Monats 
Heft
RH #163 
Titel
My Favorite Headache 
Note
8.5 

Fast 30 Jahre hat es gedauert, bis Rush-Sänger/Bassist GEDDY LEE erstmals versucht, aus dem Schatten seines genialen Prog-Trios herauszutreten. Während sein Gitarren-Kollege Alex Lifeson mit seinem '96er Victor-Projekt gänzlich neues Terrain erkundete, bewegt sich Lee allerdings auch solo auf bewährten Pfaden. Perlen wie 'The Present Tense', 'Runaway Train', 'Grace To Grace' oder das funkige 'Home On The Strange' hätten stilistisch wie qualitativ problemlos auf einem der letzten Rush-Alben stehen können. Dieselben zutiefst emotionalen Melodielinien, Dur/Moll-Zaubereien, Harmoniewechsel und überraschenden Wendungen, Lees intelligente Texte unterscheiden sich kaum von denen seines Drum-Kumpels Neal Peart, und sogar die rockige Gitarrenarbeit, für die Multi-Instrumentalist/Co-Songwriter Ben Mink zuständig ist, hat die typische Rush-Fusion-Note. Ihre persönliche Einfärbung erhalten die o.g. Heavy-Highlights durch die ebenso dezenten wie effektiven Synthie/Piano/Programming-Parts, die auch beim mystisch-groovigen Titeltrack oder dem epischen 'Working At Perfect' eindrucksvoll am Trommelfell knabbern und bei den übrigen, etwas ruhigeren Tracks natürlich noch songprägender sind. 'The Angel's Share', 'Slipping' und 'Still' sind relaxte Seelenfeger, die typische Rush-Trademarks mit völlig zeitlosen, warmen Klangteppichen verweben. Lediglich die mit sehr unspektakulären Refrains dahergondelnden 'Window To The World' und 'Moving To Bohemia' fallen durchs Weltklasse-Sieb, ansonsten wird Rush-Süchtigen hier auf äußerst angenehme Art das Warten auf das nächste Album ihrer Götter versüßt.


Michael Rensen 8.5

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