ReviewAlbum des Monats

Band
TIAMAT 
Kategorie
Album des Monats 
Heft
RH #89 
Titel
Wildhoney 
Erscheinungsjahr
1994 
Note
9.5 

Daß TIAMAT wesentlich inspirierter sind als die Masse der Metal-Bands, deutete sich schon beim letzten Longplayer 'Clouds' ('92) in verstärktem Maße an. Ein Album, das man aber schon nach dem ersten Hören als Gesamtkunstwerk begreift, hatten die wenigsten auf der Rechnung. Ein paar Monate grunzen im Proberaum müssen also kein Hindernis für eine ernsthafte Musikerkarriere sein. Parallelen zu Paradise Lost sind unverkennbar, mit dem Unterschied, daß TIAMAT einen völlig anderen Pfad eingeschlagen haben. 'Wildhoney' wird so manchen Freund harter Sounds vergraulen. Der Honig fließt langsam, windet sich mit Hilfe lavaähnlicher Keyboardströme von Produzent Waldemar Sorychta alles andere als laut (Vielleicht solltest Du Deine Anlage mal reparieren lassen, Holg... Red.) oder hart durch die 42:10 Minuten. TIAMAT zelebrieren eine Art atmosphärische Space-Romantik: stampfende Drums, Akustikgitarren, zurückhaltender Gesang, Keyboardteppiche - dann ein kühler, kalkulierter Ausbruch. 'Whatever That Hurts' macht den Anfang, ehe es mit 'The Ar' etwas flotter zur Sache geht. Die Übergänge sind fließend, '25th Floor' oder 'Kaleidoscope' fügen sich in den Gesamtzusammenhang ein, bescheren dem Hörer relaxte Tripnummern, wie sie eine Band wie Manowar einmal in Perfektion beherrschte. TIAMAT singen nicht von Stärke und gewonnenen Schlachten, sie gehen in jeder Beziehung subtiler zu Werke. Die harte Ballade 'Visionaire' sorgt noch für einige heftige Momente, doch 'Gaia', 'Do You Dream Of Me', das von wabernden Keyboards dominierte 'Planets' und das phänomenale 'A Pocket Size Sun' betonen einen Stil, der so manchen zu Meditationsübungen zwingen wird. Daß TIAMAT damit einen ganz anderen Kreis erreichen werden, nämlich 'echte Zuhörer' aller Coleur, steht für mich fest. Diese Band wird langsam fürchterlich interessant.


Holger Stratmann 9.5

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