ReviewAlbum des Monats

Band
SPIRITUAL BEGGARS 
Kategorie
Album des Monats 
Heft
RH #155 
Titel
Ad Astra 
Erscheinungsjahr
2000 
Note
8.5 

Endlich mal wieder eine Platte, bei der sich selbst notorische Fahrradfahrer wünschen, mit einem tiefergelegten, breitreifigen US-Donnerhobel volle Kanne über einen kalifornischen Freeway zu brettern und dabei die Stereoschleuder bis zur Schmerzgrenze aufzureißen. Das nach wie vor völlig verkannte Gitarren-Genie Michael Amott (Arch Enemy/ex-Carcass) schafft das eigentlich unmögliche Kunststück, eine Platte abzuliefern, die exakt in der Schnittmenge von Deep Purple und Black Sabbath liegt. Von Purple stammen die filigranen, bluesigen Riffs, von Sabbath die bösen, schweren - und während die diesmal deutlich prägnantere Hammondorgel fast schon zwangsläufig an Jon Lord erinnert, kann die bei allen spielerischen Finessen immer leicht aggressive Grundatmosphäre der Scheibe durchaus mit dem Spirit früher LPs von Ozzy und Konsorten mithalten. Dazu kommen noch massenhaft Querverweise zu den deutlich leichtfüßigeren Heavy-Hippies Cathedral, seltsamerweise problemlos ins Gesamtkonzept passende Melodic- und Prog-Einschübe und einige irrwitzige Speed Metal-Soli, mit denen Mr. Amott endgültig jeden stilistischen Rahmen sprengt. Egal, ob man die SPIRITUAL BEGGARS im Doom-, Stoner-Rock- oder harten Seventies-Retro-Bereich ansiedelt: Die Briten hüpfen munter aus jeder Schublade wieder heraus und knattern durch ein Universum, in dem nicht nur ein massiver, überlebensgroßer Space-Sound à la Monster Magnet und tonnenschwere Gitarren-Attacken den Ton angeben, sondern auch spielerische und kompositorische Fähigkeiten. Einzelne Songs herauszuheben, macht angesichts der kompakten Klasse von "Ad Astra" wenig Sinn, Fans alter Purple-Gänsehäuter sollten das abschließende 'Mantra' aber auf keinen Fall verpassen. Selten waren die Siebziger wieder so nah wie auf dieser Scheibe!


Michael Rensen 8.5

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