ReviewAlbum des Monats

Band
SUBWAY TO SALLY 
Kategorie
Album des Monats 
Heft
RH #142 
Titel
Hochzeit 
Erscheinungsjahr
1999 
Note
9.5 

Bisher fand ich SUBWAY TO SALLY zwar ganz gut, aber von einem wirklichen Fan-Dasein war ich weit entfernt. Neben meiner Abneigung gegen den Klang von Dudelsäcken oder ähnlichem hatte ich bisher vor allem das Gefühl, daß sich die Band mit ihren zahlreichen Ideen etwas zu sehr verzettelt. Bisher...Mit "Hochzeit" ist nämlich alles anders. Die Mittelalter-Anteile wurden - bis auf 'Minne' nomen est omen) und 'Tag der Rache' - zugunsten einer deutlichen Härtesteigerung merklich zurückgenommen und ergänzen die Songs nun optimal, statt sie zu überfrachten. Obwohl die Gitarrenarbeit dadurch mehr in den Mittelpunkt gerückt ist, gewinnt auch sie durch das Motto "weniger ist manchmal mehr", weil statt Gefrickel mächtige Riffs dominieren, die in ihrer genialen Einfachheit stellenweise etwas an Rammstein erinnern - allen voran bei den Mega-Krachern 'Böses Erwachen', 'Sabbat', 'Opfer' und der Single 'Henkersbraut', die zudem noch mit einem hitverdächtigen Singalong-Refrain aufwartet.Die Leistung ist umso bemerkenswerter, weil keinerlei Fragmente mehr dem mittelalterlichen Kulturgut entliehen sind, wie dies bisher der Fall war und auch bei Bands wie In Extremo oder Tanzwut üblich ist: SUBWAY TO SALLY haben stattdessen ihre eigene Kompositionshandschrift den historischen Regeln der Tonfolgen angepaßt. Löblich zudem, daß die angesichts ihrer Inhalte erstaunlich poetischen Texte keineswegs antiquierte Themen aufgreifen, sondern aktuelle Probleme - unter anderem Abtreibung - zur Sprache bringen.Mit diesem Album ist den Potsdamern ein Quantensprung gelungen, der sie in die erste Liga katapultiert. Von daher hätten sie keinen treffenderen Titel als "HOCHzeit" wählen können.


Marcus Schleutermann 9.5

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