ReviewAlbum des Monats

Band
GRIP INC. 
Kategorie
Album des Monats 
Heft
RH #141 
Titel
Solidify 
Erscheinungsjahr
1999 
Note
8.5 

Um Experimente waren die Herren Lombardo, Sorychta und Chambers noch nie verlegen. Der Schritt vom auf Nummer Sicher angelegten und mächtig Slayer-beeinflußten Erstling zum wesentlich variabler gestalteten Kracher "Nemesis'' war demnach nur logisch und allenfalls für Außenstehende ein gewagtes Unterfangen. Unter ähnlichen Voraussetzungen schickt man nun den dritten Rundling ins Rennen, der mit dem allzu offensichtlich durch nerviges Gitarrengefiepe auf modern getrimmten 'Isolation' etwas unglücklich startet. Gottlob wird im direkten Anschluß mit 'Amped' gleich die erste Keule aufgefahren (Lombardo at his best plus Killerrefrain), bevor man den Fuß vom Gaspedal nimmt, um das düstere, treibende 'Lockdown' nachzuschieben. Die atmosphärisch dicht inszenierte Beinahe-Ballade 'Griefless' zeigt dann endgültig auf, daß man keine Scheu hat, musikalische Grenzen zu verschieben. Im Gegensatz zu anderen lehnen sich GRIP INC. nie zu weit aus dem Fenster, weshalb "Solidify" trotz manch modern klingender Passage nie die Thrash-Roots der Band leugnet. Kracher wie 'Vindicate', 'Stresscase' und 'Verräter (Betrayer)' bieten stets das notwendige Maß an urwüchsiger Old School-Power auf. The best of both worlds sozusagen - und dieser Ansatz erweist sich als richtig. Mit der bisher abwechslungsreichsten Scheibe sprengen GRIP INC. endgültig die Fesseln des Eindimensionalen, was durch das mit Flamenco-Einlagen versehene Instrumental 'Bug Juice' unterstrichen wird. Abgesehen davon, daß man all den Acts, die mittlerweile dem bloßen Reiz stumpfer, brachialer Härte erlegen sind, haushoch überlegen ist, haben die Jungs ihre beste Zeit zweifellos noch vor sich. In diesem Sinne: Get a grip now!


Wolfgang Schäfer 8.5

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