ReviewAlbum des Monats

Band
NAPALM DEATH 
Kategorie
Album des Monats 
Heft
RH #139 
Titel
Words From The Exit Wound 
Note
9.0 

Seitdem es NAPALM DEATH gibt, werden wir ungefähr einmal im Jahr darauf aufmerksam gemacht, daß England mehr zu bieten hat als vertrocknete Königinnen, ranzige Fish'n'Chips und saufende Fußballer. Nein, die Insel ist Heimstatt allerderbsten Soundschmerzes, der wie ein Geschoß in dich fährt und dich durchbohrt. Womit wir ziemlich unelegant beim aktuellen Überfall der Kultrabauken gelandet wären: NAPALM DEATH hatten früher immer ein Problem: gute Platten, bei denen aber das i-Tüpfelchen fehlte (außer bei "Scum" und "From Enslavement To Obliteration", aber diese beiden Alben laufen sowieso außer Konkurrenz). Das ist bei "Words From The Exit Wound" anders: Hier haben sich Barney & Co. selbst übertroffen. Die Insulaner beschränken sich wieder auf das Wesentliche. Jeder Song besteht aus simplen, aber immer kernigen Riffs, die sofort ins Blut gehen und sich einprägen. Somit hat die Band zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: angenehme, nie erwartete Eingängigkeit - und trotzdem schweineheftig. Alle Achtung! Checkt mal den Opener 'The Infiltration' an, diese Schmettermelodien werden euch definitiv infiltrieren. (Wat 'ne sprachliche Guerillataktik. Wie soll sanftes Eindringen mit einem derben Hammer funktionieren? - Red.) Natürlich verleugnen NAPALM DEATH ihre Wurzeln nicht (das haben sie übrigens noch nie getan, auch wenn die GrindCore-Posse das Gegenteil behauptet). Wahnsinnige, aber durchdachte Highspeed-Knüppeleien gibt's genauso wie den Prototypen des GrindCore-Shoutings: abwechselnd tiefes Grunzen und heiseres Kreischen (u.a. bei 'Cleanse Impure'). Selbst mit flockig-rockigen Elementen können die Jungs so clever und leger umgehen, daß der Gedanke an Anbiederung gar nicht erst aufkommt ('Clutching At Barbs'). Fazit: NAPALM DEATH bewegen sich im Dreieck Death Metal/Grindcore/Drecksrock so überzeugend, daß "Words From The Exit Wound" ganz klar das Highlight des Monats geworden ist.


Wolf-Rüdiger Mühlmann 9.0

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