ReviewAlbum des Monats

Band
MONSTER MAGNET 
Kategorie
Album des Monats 
Heft
RH #133 
Titel
Powertrip 
Erscheinungsjahr
1999 
Note
9.0 

MONSTER MAGNET muß man laut hören. Verdammt laut! Am besten so weit aufgedreht, daß den Nachbarn die Doppelverglasung auf den Frühstückstisch splittert, Militärflugzeuge wegen akuter Überlastung sämtlicher Ortungsinstrumente vom Himmel plumpsen und mindestens 47 Staaten einander spontan den Krieg erklären, weil keiner mehr weiß, woher zur Hölle dieser gottverdammte, infernalische Lärm kommt. Schwurbeliger Rede kurzer Sinn: Dave Wyndorf und seine Backing-Truppe grooven und bratzen auf "Powertrip" mal wieder dermaßen begnadet drauflos, daß einem auch ohne 'ne Familienpackung Dope der Frontlappen durchzubrennen droht. Noch abwechslungsreicher als auf "Dopes To Infinity" zaubert die New Yorker Truppe aus relativ simplen Riffs und Licks, die, wenn man sie auf der Akustikklampfe nachdudelt, keine fünf Pfennig wert zu sein scheinen, ein zutiefst mitreißendes Feuerwerk an Brainfucks, emotionalen Achterbahnfahrten und einfach nur in die Beine gehenden Megadrive-Knallern. Bei 'See You In Hell' tönt eine von der ersten Genesis-LP (!) gemopste Orgel, der Titeltrack vertreibt sofort sämtliche anderen Ohrwürmer aus den Gehörgängen, und mit dem mexikanisch angehauchten '19 Witches' zeigt Wyndave Hypeacts der Marke Tito & Tarantula, was man aus "From Dusk Till Dawn" noch so alles hätte machen können. Eine dermaßen fette CD-Produktion hat die Rockwelt selten gehört, und es dürfte nicht viele Scheiben geben, auf denen darüber hinaus auch jede Textzeile, ja jede Silbe genau am richtigen Fleck sitzt und die heutzutage fast schon in Vergessenheit geratene These stützt, daß kongeniale Lyrics ein Album ungemein aufwerten können. Basiszutat, Geschmacksverstärker und Sahnehäubchen in Personalunion sind allerdings nach wie vor die unglaublich monströsen Gitarrenriffs, die Klampfe, mit der sie eingerotzt wurden, muß so verdammt groß sein, daß sie einer alleine eigentlich gar nicht halten kann... Einen absoluten Überhammer à la 'Negasonic Teenage Warhead' gibt es diesmal zwar nicht zu bestaunen, und das arg bekiffte Instrumental 'Goliath And The Vampires' geht einem bereits nach dem dritten Hören mächtig auf die Nüsse, aber insgesamt zocken MONSTER MAGNET auf einem höheren Balkon als zu "Dopes"-Zeiten und liefern damit neben den Backyard Babies das mit Abstand beste Album des Monats ab.


Michael Rensen 9.0

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