ReviewAlbum des Monats

Band
PSYCHOTIC WALTZ 
Kategorie
Album des Monats 
Heft
RH #111 
Titel
Bleeding 
Erscheinungsjahr
1996 
Note
10.0 

PSYCHOTIC WALTZ, die Vierte! Was hat sich geändert? Nun, die sattsam bekannten Qualitäten werden noch gezielter als gewöhnlich auf den Punkt gebracht, was sich schon darin äußert, daß keiner der elf Tracks Überlänge aufweist. Ganze zweimal wird die Drei-Minuten-Marke gesprengt, und dennoch weisen alle Songs mehr Spielwitz, Ideenreichtum und Harmonien auf, als andere Bands gemeinhin in ihrer kompletten Karriere auf die Reihe kriegen. Auffallend auch, daß das ohnehin im Übermaß vorhandene Gespür für ungemein schöne Melodiebögen noch mehr verfeinert und auf die absolute Spitze getrieben wurde. Wahnsinn! Ich könnte jetzt seitenlang den üblichen Sermon ablassen und die in letzter Konsequenz erschreckend banalen, hochgehandelten und majordealbestückten Hypes an den Pranger stellen, die gegen PSYCHOTIC WALTZ künstlerisch und kreativ gesehen nicht den Hauch einer Chance haben - alle (!) Seattle-Combos eingeschlossen. Wirklich gefühlvolle und ergreifende, für die Ewigkeit bestimmte Stücke wie 'Faded', 'Morbid', 'Bleeding', 'Drift' oder 'Freedom?' - um nur mal fünf absolute Highlights hervorzuheben - wird man weder von der Kettenalice noch im Soundgarten zu hören bekommen. Zudem weist "Bleeding" dank Knöpfedreher Scott Burns die bisher beste Produktion einer Waltz-Scheibe auf, und selbst Buddys charismatisch-intensiver Gesang wurde minimal tiefergelegt, soll heißen, die Spitzen wurden dezent gekappt, was die Band nun auch für diejenigen interessant macht, die bisher bei der bloßen Namenserwähnung zusammengezuckt sind. Alten Fans, die nach "Mosquito" enttäuscht waren, sei gesagt, daß der Silberling homogener klingt und einen gelungenen Mix aus dem genannten letzten und dem legendären ersten Album darstellt. Zuschlagen ist Pflicht, denn was Besseres wird uns dieses Jahr sicher nicht mehr aufgetischt. Obwohl man den Sound per Definition kaum noch als Prog bezeichnen kann bleibt die Combo eine der innovativsten und originellsten des Erdballs. Mit Glück und richtiger Promotion sind die Jungs hoffentlich bald da wo sie seit "A Social Grace" hingehören: ganz oben.


Wolfgang Schäfer 10.0

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