RH #374Titelstory

ROSE TATTOO

Knast, Tod und Rock´n´Roll

Angry Anderson

Am 5. August 1947 bringt Rosemay Anderson den kleinen Gary zur Welt, den man später nur noch „Angry“ nennen wird. Die Eltern haben sich auf Mauritius kennengelernt, wo der kräftige, aber klein gebaute Jockey Colin Anderson sich von Rennveranstaltungen in Afrika erholt. Die Sportler aus Australien wohnen im Hotel der wohlhabenden Familie Louis und kommen zwangsläufig mit deren Mitgliedern in Kontakt, darunter der 17-jährigen, bezaubernden Rosemay.

Noch bevor sich die jungen Leute näher beschnuppern können, sind sie auch schon verheiratet. Von ihrer Familie losgelöst, entdeckt Angrys Mutter, die mit ihren katholisch-kreolischen Wurzeln in Australien völlig auf sich allein gestellt ist, dass ihr Ehemann ein zu Gewalt neigender, zynischer Psychopath ist, der das Haus verlässt, wann es ihm passt, und sich bei seiner Ankunft nicht selten als Tyrann präsentiert, der nicht nur handgreiflich wird, sondern auch psychische Gewalt einsetzt, wo er kann. In diesem Klima wächst Gary Anderson auf. Im weiteren Familienkreis kommt es sogar zu sexuellem Missbrauch von Kindern, von dem auch Gary betroffen ist. Die Spannungen eskalieren bis zu dem Punkt, an dem der Teenager beschließt, seinen Vater zu ermorden, um seiner Mutter (und sich selbst, im Handel mit einem zu erwartenden Gefängnisaufenthalt) weitere Martyrien zu ersparen. Im letzten Moment kann Rosemay Gary von seinem Plan abbringen. Die Situation löst sich, als Gary die Musik entdeckt und von zu Hause auszieht. Die Familie zerfällt, und die aufgestaute Wut des Sängers kanalisiert sich in den darauffolgenden Jahren in hemmungsloser Bühnenekstase, Alkoholexzessen und einem Leben auf der Rasierklinge. ROSE TATTOO mögen für die meisten vielleicht nur eine „heavy“ Bluesband sein, aber es ist die Intensität am Rande des Wahnsinns, die diese Band so besonders macht, weshalb sie in erster Linie Außenseiter anzieht und zu dreckig für den Mainstream erscheint. Für Anderson selbst sind ROSE TATTOO hingegen ein emotionaler Waschgang, der den Sänger halb ausgebrannt hinterlässt. Im letzten Moment entscheidet sich Anderson dafür, die Band abzuhaken und in das harmonische Familienleben einzutauchen, das ihm selbst als Kind verwehrt blieb. Es folgt eine kleine Solokarriere. Die Ballade ´Suddenly´, die sich als Hochzeitssong für australische Promi-Eheschließungen bewährt, lässt das Pendel sogar ins andere musikalische Extrem ausschlagen. Doch die Rampensau Angry brodelt insgeheim, und als dem Sänger ein Fernseh-Engagement vorgeschlagen wird, schlägt er zu. In der „Midday“-Show kümmert sich Anderson um die Belange von sozial schwachen Jugendlichen. Es geht um Drogen, Prostitution, häusliche Gewalt. Themen, die Anderson aus eigener Anschauung kennt und versteht. Ein ehrlicher Anwalt der Unterdrückten, nicht die Zurschaustellung von Schicksalen wie im späteren Reality-TV. Es ist nur eine von unzähligen Wohltätigkeits-Initiativen. Nebenbei verdingt sich Anderson als Schauspieler. Am bekanntesten ist seine Teilnahme als Nebendarsteller von Tina Turner und Mel Gibson in „Mad Max III - Jenseits der Donnerkuppel“, während seine Theater-Engagements als „Lenin“ oder im „Jesus Christ Superstar“-Musical nur dem australischen Publikum bekannt sind....

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