RH #373Vorwort

GHOST

WIR SIND PAPST! (ÄHEM, KARDINAL...)

Ghost

Na, da hat Prof. Dr. Dr. Kuhn, der Arzt, dem nicht nur die Frauen vertrauen, im Rahmen unserer Titelstory mit und über Ghost aber so einiges aus dem geschassten Nameless Ghoul (bzw. Gitarrist Alpha) Simon Söderberg rausgeholt, Wolfgangs Couch scheint eine bequeme zu sein:

»Viele Menschen würden (Ghost-Kopf) Tobias Forge wohl als smart oder als Genie bezeichnen. Meiner Meinung nach ist er vor allem ein verschlagener Mensch, der das Leben wie ein Schachbrett sieht. Er hat einen Plan mit jeder Person, mit der er interagiert, ihm geht es dabei nicht um Freundschaften. Er plant immer auf Jahre hinaus in die Zukunft und weiß genau, wie man eine Person zugunsten seiner Ränkespiele manipulieren muss. Kein Mensch darf dabei wichtiger sein als er selbst und die Ziele, die er sich gesteckt hat. Das ist ziemlich traurig und erschreckend. Ich weiß, es hört sich so an, als würde ich einen Psychopathen beschreiben. Einige Menschen denken, dass er einer sei, er bringt zumindest alle Merkmale mit. Das größte Talent eines Psychopathen ist es, sich wie ein normaler Mensch zu verhalten und dabei Emotionen und falsche Verletzlichkeit vorzutäuschen. (...) Im Manipulieren von Menschen ist Tobias am besten.« Uff. Das sitzt.
Ich habe keine Ahnung, ob sich Söderberg mit seinem Rundumschlag (inklusive diverser Treffer unter der Gürtellinie) einer Art „Wahrheit“ nähert - oder ob hier nur das verletzte Ego eines „Handlangers“ spricht, der sich um seine Meriten betrogen fühlt. Interessant ist´s allemal: Da, wo Geld, Macht und Einfluss verteilt werden - und im Falle Ghost, auf dem Sprung nach ganz oben, ist mittlerweile viel zu verteilen -, sind Streit und Zank, Eifersüchteleien, ja: Kämpfe um die Deutungshoheit stets an der Tagesordnung. Das ist im Mikrokosmos einer Band nicht anders als in der großen Welt der Wirtschaft und Politik, es stellt sich heutzutage, in Zeiten von Putin, Trump, Erdogan & Co., ja im wahrsten Sinne des Wortes offensichtlicher denn je dar, und es wäre manchmal so faszinierend wie amüsant, würde einen nicht ein ständiges Unwohlsein begleiten. (Wer nicht direkt die ganz große nationalkonservative Weltmacht-Keule braucht, guckt sich die SPD an, diese einst so stolze und verdiente Partei. Oder einfach die „Jamaika-Sondierungen“.)
Ghost jedenfalls, um zurück zum Thema zu kommen, sind für mich, ich habe das schon mehrmals (manchmal augenzwinkernd) geschrieben, die momentan beste Band der Welt, kein anderer Musiker schafft es gekonnter als Tobias Forge alias Papa Emeritus alias Cardinal Copia, überragendes Songwriting mit Bigger-than-life-Anspruch inklusive geschmackvollster visueller Untermalung zu verbinden. Wolfgangs Rekapitulation des Phänomens Ghost anhand eines extrem ausführlichen Gesprächs mit Forge gehört in Sachen Storys in meinen Augen dann auch zu den Höhepunkten der letzten Zeit, denn diese Geschichte macht nicht nur die Musik NOCH interessanter, sondern regt auch zur weiteren, tiefer gehenden Auseinandersetzung an, zum Beispiel zu der Frage, was eine „Band“ im Jahre 2018, in dem der „Kuchen“ ganz anders verteilt wird als noch vor einer Dekade, eigentlich braucht, um (im kommerziellen Sinne) erfolgreich zu sein, um nachhaltige, nennenswerte Spuren zu hinterlassen.
Egal, wie die Antwort auch ausfällt: Das Rock Hard wird die Entwicklung begleiten. So, wie es alle Entwicklungen im Bereich der harten Musik seit mittlerweile 35 Jahren begleitet.  

Habt einen schönen, sonnigen Juni!

Pic: Mikael Eriksson

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