RH #372Krach von der Basis

Gartenzwerg mit Pommesgabel

Sebastian Schilling

Zuletzt wurde sich in den Leserbriefen darüber beschwert, dass so viele Musiker, die in dieser Rubrik interviewt werden, außer okkultem Geschwurbel nichts zu sagen hätten. Und das stimmt.

Man wundert sich schon oft und fragt sich, ob sich da nun einer ein paar Phrasen angelesen hat und die mangels sonstiger Inhalte runterbetet oder ob da wirklich mehr dahintersteckt. Aber worin sollte dieses Mehr dann bestehen? Als Erik, der Sänger von Watain, neulich in diesem Magazin gefragt wurde, wie man sich denn das „Teufelsreich“ vorstellen müsse, antwortete er: „Es gibt dort wirkliche Schönheit. (…) Stell dir einfach das Gefühl vor, das du hast, wenn du dein persönliches Lieblings-Black-Metal-Album hörst.“ Aha, echt jetzt? Dabei war das schon eine Einlassung der konkreteren Art. Seit The-Devil´s-Blood-Sänger Selim Lemouchi für manche überzeugend darlegen konnte, dass er so richtig ernsthaft an den Teufel glaubt, gilt „orthodoxer Satanismus“ als Ausweis besonderer Authentizität und Ernsthaftigkeit. Aber bisher konnte noch kein „orthodoxer Satanist“ überzeugend darlegen, was seinen Glauben nun genau von den etablierten Religionen unterscheidet. Es gibt ein höheres Wesen, und wenn man sich an bestimmte Glaubenssätze hält und ein bisschen Hokuspokus veranstaltet, wird am Ende alles gut. Ist das alles vielleicht doch nur Religion in cool, gewissermaßen der Gartenzwerg mit Pommesgabel statt mit Schubkarre? Und ist das dann wirklich das Rebellische, das sich mancher im Metal wünscht? An den „bösen“ unsichtbaren Freund zu glauben anstatt an den „guten“? Klingt für mich eher nach Weltflucht und damit nach dem Gegenteil von Rebellion....

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