RH #367Vorwort

Der plötzliche Tod von Celtic-Frost-Bass-Genie Martin Eric Ain - einen Nachruf von Jan findet Ihr auf Seite 7 in diesem Heft - macht es mal wieder schmerzhaft deutlich: Nichts ist für die Ewigkeit, alles ist vergänglich - und jeder Versuch im Leben, an Gewissheiten festzuhalten, zum grandiosen Scheitern verurteilt.

Nichtsdestotrotz kann man nicht blind in die Zukunft laufen, im „Großen“ wäre es sogar wichtiger denn je, in einer aus sämtlichen Fugen geratenden (westlichen) Welt, in der beinahe darwinistische Egozentrik Aktion und leider auch Reaktion von immer mehr Menschen sowohl „offline“ als auch „online“ bestimmt, noch viel öfter an die Vergangenheit zu erinnern, an das, was uns aufgegeben wurde, daran, wohin so manche politische und gesellschaftliche Entwicklungen geführt haben, an soziale wie bürgerliche Errungenschaften, Umgangsformen und - großes Wort - Werte, die rasant an Bedeutung verlieren und einer Unverfrorenheit, ja: Herzenskälte Platz machen müssen, die schaudern lässt.
Sogar im „Kleinen“ heißt das im Umkehrschluss aber natürlich nicht, dass „früher“ alles besser war. Allerdings darf man, nein: sollte man Gutes eben bewahren, und auch 2017 präsentieren wir Euch im Rock Hard somit einen weiteren Teil unserer beliebten „Vor drei Dekaden“-Serie, schließlich ist auch 1987 - man muss sich nur mal Soundcheck und Reviews weiter hinten im Heft angucken - als enorm wichtiges und qualitativ hochwertiges Jahr in die Annalen der Heavy-Metal-Geschichte eingegangen. Celtic Frosts „Into The Pandemonium“, von einem gerade mal 20-jährigen (!) Martin Eric Ain eingespielt, war nur ein Meilenstein, die Geschichte von weiteren, Savatages „Hall Of The Mountain King“, King Diamonds „Abigail“, Deaths „Scream Bloody Gore“, Anthrax´ „Among The Living“ oder natürlich Guns N´ Roses´ „Appetite For Destruction“, erzählen wir in dieser Ausgabe ausführlich. Möge die Klasse der genannten Alben auf die Platten der Jetztzeit abfärben!
Apropos „Jetztzeit“: Natürlich besteht das Dezember-Rock-Hard nicht nur aus „1987“. Neben einem Black-Sabbath-Nachschlag in Form eines Tony-Iommi-Interviews sowie einem überraschend offenen Gespräch mit Rammstein-Keyboarder Flake berichten wir von weiteren Protagonisten der aktuellen Szene, zum Beispiel von X Japan, der mit Abstand größten, in Deutschland nur Insidern bekannten Rock- und Metalband Nippons, von Underground-Hoffnungen wie den Rock´n´Rollern Hard Action, dem Sólstafir-Spin-off Katla. oder den Sludge-Doomern Amenra, und auf Tour waren wir in Person unseres Meisters des gepflegten Shoegaze-Tanzes („einmal links, einmal rechts, einmal fallen lassen“), Stefan „Hacky“ Hackländer, ebenfalls - nämlich mit den Gothrock-Überfliegern Grave Pleasures...

Viel Spaß beim Lesen dieser (hoffentlich) bunten Mischung!