RH #367Special

ROBERT WILLIAMS

»Meine Kunst soll dich nervös machen, wenn du sie aufgehängt hast und der Pfarrer vorbeikommt«

Robert Williams

Die Melrose Avenue ist in Hollywood nachmittags das, was der Sunset Strip am Abend ist: ein Ort zum „Rumhängen“, Sehen und Gesehenwerden. Am Straßenrand parken chromblitzende Karossen und Motorräder. Es gibt ein bisschen alternatives Leben, nette Cafés, kleine Plattenläden, Antiquitäten-Geschäfte und Buchläden, die wie selbstverständlich Comics oder Bücher über Pop-Art führen. In einer kleinen Buchhandlung an einer Straßenecke kaufe ich Anfang der Neunziger zwei Bildbände über den Zeichner/Maler/Cartoonisten Robert Williams, „Visual Addiction“ und „Zombie Mystery Addiction“. Dass Axl Rose ausgerechnet hier drei, vier Jahre vorher eine Postkarte mit dem Motiv von „Appetite For Destruction“ entdeckte, ist mir gar nicht bewusst.

Zu diesem Zeitpunkt prangt das Motiv längst auf dem ersten Bildband über Williams, betitelt „The Lowbrow Art Of...“. „Appetite...“ entstand bereits 1978, also Jahre bevor GUNS N´ ROSES den Titel für ihren Bestseller aufgabelten. Das Wörtchen „low“ steht selbstironisch für den Status von Williams als Teil der Gegenkultur, die mit der Hochkultur nichts gemein hat. Schon auf der Kunstschule fühlt er sich diskriminiert („Du bist kein Maler, du bist Illustrator!“). Doch als „Kommerz-Hure“ für Disney oder profane Werbeschilder will der sture Künstler nicht enden.

Robert Williams, geboren 1943, wächst in der Umgebung eines Drive-in-Schnellrestaurants auf, das seine Eltern betreiben. Dort gibt es nicht nur Girls in Hot Pants. Schon früh kommt er mit Hot Rods,...

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