RH #367Kolumne

Metaller-Unterspezies, Typenlehre 3

Gregor Olm

Der Funeral-Doomster: Nach Feierabend liegt er regelmäßig noch ein wenig mit der Nase nach unten und ausgebreiteten Armen auf seinem Leib-und-Magen-Friedhof. Still kauend lässt er die köstliche Erde zwischen den Zähnen knirschen.

Bis hoch in die Nasennebenhöhlen schnieft er den schwarzen Totenkoks, um mit dem sich dann einstellenden Eiter ein Memento mori, verbunden mit der Bitte um baldige Erlösung, auf die Wände seiner lichtlosen Kellerwohnung zu schreiben: „Oh, bring es zu Ende, bleicher Tod!“ Nur die Friedhofsordnung und die Witwe mit der stählernen Gießkanne, die in ihrer Unkenntnis des Funeral Doom bloß einen lauernden Handtaschenräuber auf dem Grab ihres Mannes erkennen will, trüben das depressive Vergnügen dieses Totenmolchs am Rande des Doom-Death. Funeral-Doomster/innen sind aber keine Kadavergekröse anbetenden Brutal-Death-Backpfeifengesichter, sondern Metal-Edelleute mit der vornehmen Lust am Dahinvegetieren im Lichtlosen zwischen Schwarzschimmel (die fiese Art Alternaria alternata), an dem sie aber nicht halb so leidenschaftlich lecken wie die Suicidal-Black-Metaller. Doch nicht allein Fäulnis regiert im Funeral-Doom-Reich, es gibt auch Momente aktivierender Frische, etwa die eines Septembermorgens ´42 in Stalingrad bei minus 40 Grad.
Dies nur als Überleitung zu den machtvollen Winter. Wie mit fünf km/h über gefrorene Schlachtfelder malmende Panzerketten slow-doomt deren gloriose Walze „Into Darkness“ (mit dem Doom-Oscar für das trostloseste Albumcover der...

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