RH #367Interview

AMENRA

Leid als Lebenshilfe

Amenra

Colin H. van Eeckhout läuft gerne immer wieder mit dem Kopf gegen die Wand, weil es so schön ist, wenn der Schmerz nachlässt, jedenfalls im übertragenen Sinn und auf seine Musik bezogen. Der Mann, der sich die Brustwarzen wegoperieren ließ und das R in AMENRA so charmant rollt wie niemand sonst, versucht auch auf „Mass VI“ wieder, jene Dämonen auszutreiben, vor denen wir uns besonders fürchten, weil sie jeden von uns früher oder später heimsuchen.

Colin, habt ihr „Mass VI“ bewusst so konzipiert, dass sich lange, harte Songs und kurze, ruhige Spoken-Word-Stücke auf Flämisch abwechseln?

»Zunächst einmal sind Longtracks nichts Neues für uns. Eine Komposition ist für uns dann vollendet, wenn wir das Gefühl haben, ihr nichts mehr hinzufügen zu können. Unsere Musik wirkt durch so lange Aufbauten bedrohlich und hat aufgrund ihrer Monotonie eine hypnotische Qualität. Die Zwischenspiele auf dem neuen Album stehen für Momente innerer Einkehr, in denen man sich daran erinnert, was für die menschliche Existenz wesentlich ist. Sie sollen Kraft spenden und vermitteln in unserer Muttersprache, worum es bei AMENRA geht.«

Vor allem um Schmerzen, die du jedes Mal wieder durchleben müsstest, wenn ihr Konzerte gebt, und um deren Überwindung. Warum tust du dir das an?

»Ich betrachte es als etwas Positives und Befreiendes. Wir bündeln unsere Energien und richten sie auf alles, was uns im Leben belastet. Dadurch sind wir in der Lage, solche Dinge im Alltag beiseitezuschieben. Wir bewahren sie uns für...

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