RH #366Krach von der Basis

URARV

»Wir verrotten von innen heraus«

Urarv

Ex-DHG-Sänger Aldrahn (The Deathtrip, Thorns) meldet sich mit URARV zurück, einem Projekt irgendwo zwischen herausragend gutem, klassischem Neunziger-Black-Metal und einer Prise kranker Avantgarde.

Aldrahn, du warst von Beginn an Teil der zweiten Black-Metal-Bewegung. Wenn du Black Metal, seine Ideologie und Mitglieder reflektierst: Was sind die größten Unterschiede zwischen damals und heute?

»Ich weiß nicht, was der größte ist, aber ein bedeutender wäre der Fakt, dass Black Metal jetzt sauber und von der Gesellschaft akzeptiert ist. Er schockiert die Öffentlichkeit nicht mehr und ist zu einem Metal-Genre in einer Reihe von vielen geworden. Dementsprechend ist er kein krimineller Kult mehr. Ich weiß auch nicht, ob man mit Sicherheit sagen kann, dass es je eine Ideologie war, wenn du dich auf den blasphemischen Aspekt beziehst. Das war vielleicht eher ein Mittel, um außerhalb der Schubladen zu experimentieren, und ein Weg, um die Seele zu finden. Das freigeistige Streben würde ich dagegen schon als Ideologie sehen, sprich die gesamte Idee, gemeinsam etwas auf den Idealen von Individualität und kreativer Freiheit Basierendes zu kreieren. Vieles davon ist vielleicht verschwunden oder hat sich in einen leblosen Kult von Leuten entwickelt, die einfach nur zu irgendwas dazugehören wollen und es als Darstellung benutzen, um ihr Selbstwertgefühl zu erhöhen. Denn jetzt ist es „sicher“, ein „Black-Metaller“ zu sein. Du musst das nicht mehr wirklich verteidigen und deswegen für dich eintreten – so wie wir das früher mussten. Jedenfalls gilt das für Länder wie Norwegen. Das Einzige, was ich wirklich vermisse, sind die engen sozialen Bindungen, die wir untereinander hatten. Jetzt sind wir alle erwachsen, jeder folgt separat seinem Weg, wie das bei den meisten Menschen eben so ist. Es wäre aber manchmal einfach schön, wieder Kind zu sein (lächelt).«
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