RH #365Interview

SLIME

Gefangen in der Gegenwart

Slime

Mit dem gar nicht mal schlechten „Sich fügen heißt lügen“ hatten SLIME 2012 einen geschickten Kunstgriff getätigt, indem sie ausschließlich literarische Werke des Anarchisten Erich Mühsam vertonten. Mit dem aktuellen „Hier und Jetzt“ dagegen sollte sich zeigen, wie gut die Hanseaten den Abgang von Schlagzeuger/Texter Stephan Mahler verkraften konnten. Doch wer hätte gedacht, dass letztendlich eine ganz andere Diskussion die Tagesordnung bestimmt?

Nämlich die ewig junge Frage danach, wie weit sich Deutschlands Punk-Band Nummer eins musikalisch eigentlich aus dem Fenster lehnen sollte. Für Traditionalisten ist „Hier und Jetzt“ womöglich wirklich relativ schwer verdauliche Kost. Von Reggae über Ska (ansatzweise durchaus bereits in der DNA des Frühwerks von SLIME verankert) führt die musikalische Reise über Powerpop und Folk bis hin zu Rap und HipHop. Ähnlich bunt gemischt liest sich dann auch die Liste der Gastmusiker, die von den Bläsern der Gruppe Seeed über Rodrigo Gonzales von den Ärzten bis hin zum Kinderchor Kids On Stage reicht. SLIME wähnen sich im Hier und Jetzt angekommen. Stücke wie ´Brandstifter´, ´Die Stummen´ oder ´Bekenntnis zu einem Paradoxon´ sind es, die stilistisch noch am ehesten den Gattungskonventionen einer Band entsprechen, die 1981 mit ´Polizei SA-SS´ die deutschen Zensurbehörden auf Trab zu halten pflegte. Die packende antifaschistische Arschtreter-Hymne ´Für alle Zeit´ wirkt, auf „Hier und Jetzt“ als Rausschmeißer platziert, ein klein wenig wie ein Suffix, um nicht zu sagen: wie ein Anhängsel aus der Vergangenheit. SLIME-Frontmann Dirk „Dicken“ Jora erklärt den vollzogenen Wandel wie folgt:...

Dieser Text endet hier.

Online-Abonnenten freuen sich über den kompletten Artikel nach dem Log-in.

AbfahrplanDie nächsten Konzerte

KATAKLYSM + EXHORDER + SLIME + SERUM 11417.08.2018
bis
18.08.2018
Essen, Viehofer PlatzTUROCK OPEN AIRTickets