RH #360Interview

PHIL RUDD

Knast, Tod oder Rock´n´Roll

Phil Rudd

PHIL RUDD ist Legende und graue Eminenz zugleich. Während seiner Jahrzehnte bei AC/DC stand der Drummer nie im Mittelpunkt, war aber immer eine verlässliche Konstante, eine Groove-Maschine, ein perfekt laufendes Uhrwerk, bei dem man songdienliche Unauffälligkeit keineswegs mit minderen handwerklichen Fähigkeiten verwechseln sollte. Doch inzwischen hakt´s bei der Uhr etwas.

2014 wurde Phillip Hugh Norman Witschke Rudzevecuis, so Rudds Geburtsname, in seiner neuseeländischen Wahlheimat wegen einer Morddrohung gegen einen seiner Assistenten und des Besitzes von Meth und Marihuana verurteilt. Mit acht Monaten Hausarrest und 120.000 Neuseeland-Dollar (ca. 77.000 Euro) Wiedergutmachung zuzüglich Alkoholverbot und Drogenentzugsprogramm kam der Musiker glimpflich davon. Ein weiterer Anklagepunkt – das Inauftraggeben eines Mordes – hätte ihn garantiert für ´ne Weile in den Knast gebracht, wurde allerdings mangels Beweisen fallen gelassen. In Bezug auf den Drogenbesitz und die Morddrohung bekannte er sich schuldig. AC/DC feuerten Rudd, der auf sämtlichen Hitalben der Band wie „Let There Be Rock“, „Powerage“, „Highway To Hell“, „Back In Black“ bis hin zum letzten Longplayer „Rock Or Bust“ mit seinem stoischen Signature-Punch glänzte, und ersetzten ihn durch Chris Slade, der schon mal während Phils erster Bandpause von 1983 bis 1995 für einige Jahre zum Zuge kam. Inmitten dieses Schlamassels veröffentlichte Rudd völlig überraschend ein Soloalbum namens „Head Job“. Und das Ding ist trotz Phils null Komma null Songwriting-Credits bei AC/DC echt gut: eine Rock´n´Roll-Platte mit Ecken, Kanten und jeder Menge Charme. Natürlich erinnert manches an AC/DC, doch „Head Job“ geht zugleich zurück in Zeiten vor Rudds 1975er Einstieg bei der Young-Combo und wühlt begeistert (und begeisternd) in bluesigem Pubrock. Phil hält den Laden zusammen, erstickt jeglichen instrumentalen Firlefanz im Keim, trommelt teilweise noch minimalistischer als bei seinen ehemaligen Chefs und erreicht dadurch gar Charlie-Watts-Simplizität. Schnieke Ohrwürmer wie ´Lost In America´ und ´The Other Side´ machen umgehend Spaß, und ´Repo Man´ ist einer der coolsten AC/DC-Songs, die AC/DC nie geschrieben haben. Rudds Sidekicks Allan Badger (b./v.) und Geoffrey Martin (g.) sind unbekannte, aber altgediente Veteranen der Neuseeland-Rock-Szene, steuern jede Menge feine Riffs, Leads und teils angenehm ungehobelte Vocals bei und platzieren sich in Sachen Authentizität auf Augenhöhe mit Phil. ...

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