RH #354Interview

Während der ehemalige As-I-Lay-Dying-Sänger Tim Lambesis weiterhin seine sechsjährige Haftstrafe wegen Anstiftung zum Mord an seiner Frau absitzt, melden sich die restlichen Bandmitglieder bereits mit ihrem zweiten WOVENWAR-Album zurück.

„Honor Is Dead“ fällt dabei wesentlich härter als das für den sanften Gesang von Shane Blay kritisierte Debüt aus, ist jedoch weit von dem brachialen, aber auch eindimensionalen Sound As I Lay Dyings (im Folgenden AILD) entfernt. Zudem ist Bassist und Co-Sänger Josh Gilbert sehr froh, endlich das Stigma der christlichen Band abgeschüttelt zu haben.

Josh, wie kommt´s, dass euer neues Album so hart ausgefallen ist?

»Nachdem wir mit der ersten Platte auf Tour waren und gesehen haben, wie die Leute auf die Songs reagierten, dachten wir uns: „Hey, wir alle lieben harte Musik!“ Wir vermissten die harten Passagen. Außerdem entwickelte sich während der Tour Shanes Stimme, und er entdeckte, dass er auch gut screamen kann. Das alles führte dazu, dass wir ein härteres Album komponierten.«

„Honor Is Dead“ tönt aber nicht eindimensional, sondern recht vielschichtig.

»Ja, beim ersten Album schwebte uns noch keine konkrete Richtung vor, wir waren im Krisenmodus und versuchten beim Songwriting auszublenden, was vorgefallen war. Wir wussten noch nicht mal, wer auf „Wovenwar“ singen würde. Diesmal hatten wir eine Idee, wo die Reise hingehen soll, außerdem konnte sich jeder ins Songwriting einbringen.«

Für viele Fans war der größte Kritikpunkt an eurem Debüt der schmusige Gesang von Shane. Hatte das auch Einfluss auf eure Entscheidung, eine härtere Richtung einzuschlagen?

»Ich kann nicht sagen, dass es keinen Einfluss auf uns hatte, aber genauso wenig haben wir die Screams nur eingebaut, um die Kritiker zufriedenzustellen. Wir vermissten bei den Konzerten einfach das aggressive Element, weshalb wir die Songs härter spielten, was viele Leute zu der Aussage brachte, dass wir live wie eine komplett andere Band klingen.«

Eure Vorgängergruppe AILD galt als christliche Band. Wie haltet ihr es bei WOVENWAR mit eurem Glauben?

»Jeder in der Band hat verschiedene Ansichten, was den Glauben angeht. Es gibt einige, die nicht religiös sind, und einige, die ihren Glauben offen ausleben. Aber als wir WOVENWAR gründeten, war uns klar, dass wir die Religion nicht mehr an die große Glocke hängen wollen. Bei AILD war es zum Ende hin ein Problem für uns, dass die Leute eine gewisse Erwartungshaltung an uns hatten. Wenn jemand von uns ein Bier trank, erfüllten wir diese schon nicht mehr, einige Christen fühlten sich durch unser Verhalten gar beleidigt. Wir haben all die Tücken gesehen, die einen erwarten, wenn man sich als „christliche Band“ tituliert. Wenn wir auf einem christlichen Musikfestival spielten, fühlte ich mich hin- und hergerissen. Man will kein Geld von der Kirche annehmen, wenn man weiß, dass nicht jeder auf der Bühne die Glaubensvorstellungen teilt, um die es auf diesem Festival geht. Wir hatten auf diese tieferliegende Spannung keine Lust mehr. Manche Christen gehen ja so weit, dass man kein Schimpfwort in den Mund nehmen darf, weil einem damit das Anrecht auf den Platz im Himmel verwehrt wird und man in die Hölle kommt. Von daher lassen wir unsere religiösen Ansichten aus der Präsentation der Band heraus und ziehen sie damit zurück ins Private.«

Werden WOVENWAR als AILD-Nachfolgeband akzeptiert, oder trauern viele Fans immer noch den alten Zeiten hinterher?

»Ich verstehe das Gefühl der Fans. Schließlich kam eine ihrer Lieblingsbands zu einem abrupten Ende. Und es ist natürlich hart, die neue, stilistisch andere Gruppe nicht mit der alten Lieblingsband zu vergleichen. Wir haben aber oft genug betont, dass wir WOVENWAR als einen Neuanfang begreifen und nicht genau wie AILD klingen wollen. Wir sind nun seit zweieinhalb Jahren am Start, und ich habe das Gefühl, dass die Leute sich von Monat zu Monat mehr daran gewöhnen. Auf Tour überzeugen wir immer mehr Fans von unserem Sound.  Natürlich gibt es auch immer noch einige unverbesserliche Internet-Trolle, die in der Vergangenheit leben. Aber die positiven Reaktionen überwiegen.«

Ihr spielt derzeit als Support von Soilwork in den USA, zu AILD-Zeiten wären Soilwork hingegen euer Support gewesen. Frustriert es euch manchmal, dass ihr wieder so viel Aufbauarbeit leisten müsst?

»Bevor wir Erfolg mit unseren früheren Bands hatten, haben wir in superkleinen Hallen gespielt und bei irgendwelchen Fans auf dem Boden übernachtet. Wir haben das alles durchgemacht und sind weiterhin gewillt, hart für unseren Erfolg zu arbeiten. Wir wissen, welche Schritte vor uns liegen, um eine Band zu etablieren. Von daher lassen wir uns nicht davon entmutigen, wenn wir weiter unten im Billing stehen, sondern sehen es als Chance zu beweisen, dass wir demnächst eine bessere Position verdient haben.«

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DISKOGRAFIE

Wovenwar (2014)
Honor Is Dead (2016)

Pic: Ty Watkins