RH #348Interview

»Nichts wird so sein wie früher«

Phil Lageat

Das fürchterliche Attentat auf den Musikclub Bataclan im Herzen von Paris ist von den meisten Beobachtern inzwischen zu den Akten gelegt worden, doch die Musikszene in der französischen Hauptstadt ist weiterhin traumatisiert, sagt Chefredakteur Philippe Lageat von Rock Hard Frankreich.

Auch Philippe muss erst mal ausholen und spricht wohlüberlegt, mit schnaufender Stimme vom 13. November 2015.

»Ich saß vor dem Fernseher und schaute mir das Fußballspiel Frankreich gegen Deutschland an. Meine Freundin ist nicht so fußballbegeistert, und so schaltete ich den Ton ab, deshalb bekam ich nichts von den Explosionen am Stadion mit. Erst nach dem Spiel realisierte ich, dass es Anschläge gegeben hatte, unter anderem auf das Bataclan. Ich rannte sofort zum Computer, um nachzusehen, wer an dem Abend auf dem Programm stand. Das Bataclan ist für uns zu einem zweiten Wohnzimmer geworden, nachdem das Elysee Montmartre abgebrannt war. Hier treten viele Rock- und Metal-Bands auf. Als ich sah, dass die Eagles Of Death Metal spielten, war mir klar, dass dort Bekannte von mir sein könnten. Mein Telefon klingelte, und man fragte, ob ich okay sei. Ich rief meinerseits Leute an. Fünf Stunden später wusste man nach einigen Telefonketten, wer nicht zu dem Konzert gegangen war und wer flüchten konnte. Von zwei Jungs hatten wir keinerlei Informationen. Es dauerte bis zum Nachmittag des nächsten Tages, als bei Facebook die Nachricht erschien, dass die beiden tot seien. Und es gab weitere 87 Tote und Hunderte von Verletzten. Das war ein Schock! Es war doch nur ein Rock´n´Roll-Konzert! Normalerweise ein Ort der Freude und des Spaßes. Niemand war darauf vorbereitet. Einer der Toten arbeitete für die Plattenfirma Universal. Wir kannten ihn gut, weil er Bands wie Kiss, Metallica oder Rammstein betreute. Er kümmerte sich an dem Abend um die Eagles Of Death Metal und saß außerhalb im Café, wo er sich mit Freunden unterhielt. Dort wurde er sofort erschossen. Ein anderer Freund von uns wurde neben ihm verwundet, eine Freundin konnte unverletzt entkommen. Sie kämpft damit, dass Geschehene zu verarbeiten, und versteht nicht, warum sie es überlebt hat und andere nicht. Mancher starb, obwohl ihn nur eine Kugel getroffen hat, andere überlebten dagegen mit sechs oder neun Einschüssen. Das bedrückt viele. Man muss ihnen geduldig zuhören, denn für sie ist es noch lange nicht vorbei....

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