RH #345Krach von der Basis

SUPREME CARNAGE

Lasst die Vergangenheit nicht ruhen

SUPREME CARNAGE

Die deutsche Death-Metal-Szene scheint sich ungebrochener Vitalität zu erfreuen. Nachdem wir übers Jahr hinweg schon mit einigen bemerkenswerten Releases verwöhnt wurden, hauten Bret Hard zum Jahresausklang 2015 noch mal einen Kracher raus. SUPREME CARNAGE aus Münster vereinen auf „Sentenced By The Cross“ amerikanische Wucht mit europäischem Melodieverständnis. Wir unterhielten uns mit Gitarrist Acker.

Acker, mit „Sentenced By The Cross“ habt ihr ein verdammt starkes Album am Start. Davor habt ihr in Eigenregie den Longplayer „Quartering The Doomed“ und die EP „A Masterpiece Of Execution“ veröffentlicht. Wie unterscheidet sich „Sentenced By The Cross“ von den Vorgängern?

»Erst mal vielen Dank für das Kompliment! Auch wenn „Quartering The Doomed“ gerade mal vor zwei Jahren erschienen ist, sind einige Songs auf dem Debütalbum trotzdem schon deutlich älter. Die Songs von „Sentenced By The Cross“ sind insgesamt viel stimmiger – mehr Atmosphäre und gleichzeitig mehr Aggressivität. Ich denke, dass wir mit unserem Zweitwerk erst richtig unseren Stil gefunden haben. Wir sind zudem seit dem Debütalbum mit einem zweiten Gitarristen unterwegs und müssen so im Songwriting keinerlei Kompromisse eingehen. Ich bin nämlich kein Freund davon, wenn auf dem Album mehrstimmige Melodien zu hören sind und man live dann nur die Rhythmusgitarre hört. Ein weiterer wesentlicher Unterschied ist die Tatsache, dass wir für „Sentenced By The Cross“ ins Soundlodge Studio eingefallen sind. Gemeinsam mit Jörg haben wir den Songs den passenden Sound verpasst – und sind mit dem Ergebnis superzufrieden. Heutzutage kann man natürlich auch in den eigenen vier Wänden mit relativ einfachen Mitteln gut klingende CDs produzieren – ein echtes Studio kann das aber meiner Meinung nach nicht ersetzen, allein schon, was den Drumsound angeht.«

Die Texte von „Sentenced By The Cross“ drehen sich um die Verbrechen der katholischen Kirche im Mittelalter. Um was geht es genau, und handelt es sich um ein Konzeptalbum?

»Genauer gesagt geht es um die sogenannten Gottesurteile – auch Ordalien genannt. Diese wurden insbesondere von der Kirche natürlich regelmäßig missbräuchlich eingesetzt, um sich unliebsamer Gegner zu entledigen. Das Prinzip im Mittelalter war simpel: Hatte man keine Beweise oder zu wenig Anhaltspunkte, um bei einem Verbrechen den Schuldigen zu finden, mussten die Tatverdächtigen diverse Foltermethoden über sich ergehen lassen – Gott würde dann schon den richtigen Täter „auswählen“. Wie man sich denken kann, keine besonders präzise, geschweige denn faire Methode.«

Wieso beschäftigt ihr euch so intensiv mit dieser Thematik? Es läuft ja auch heutzutage genügend schief.

»Und genau damit triffst du eigentlich schon den Nagel auf den Kopf! Leider macht sich bei vielen Leuten eine Art Geschichtsamnesie breit. Die Menschen können oder wollen einfach nichts dazulernen. Dabei ist die eigene Geschichte voll von Beispielen, wie Menschen sich von scheinheiligen Idealen und verklärten Vorurteilen oder Wertvorstellungen leiten lassen. Es geht also darum, aus der  Vergangenheit etwas für die Zukunft zu lernen – weniger darum, irgendeine Religion an den Pranger zu stellen. Allerdings ist bei institutionalisierten Formen von Religion nur selten etwas Gescheites rumgekommen. Davon abgesehen, habe ich mich schon immer für geschichtliche Zusammenhänge interessiert, und natürlich passt die Thematik auch sehr gut zur Atmosphäre der Songs.«

Welche Pläne habt ihr mit SUPREME CARNAGE? Euer Veröffentlichungstempo und die Qualität von „Sentenced By The Cross“ lassen annehmen, dass ihr recht ambitioniert seid.

»Alle Bandmitglieder sind schon seit vielen Jahren in verschiedenen Bands aktiv, insofern geben wir uns keinen Illusionen hin, mit dieser Art von Musik unseren Lebensunterhalt bestreiten zu wollen, geschweige denn zu können. Wir haben einfach Spaß daran, gemeinsam Death Metal zu spielen – und das, wenn möglich, live auf der Bühne. Gerade live zünden unsere Songs richtig gut, und wir hoffen, dass wir das noch bei vielen Gigs und Festivals unter Beweis stellen können. Die ersten Ideen für neue Songs stehen aber auch schon. Wie sagt man so schön: The best is yet to come!«

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