RH #334Festivals & Live Reviews

70000 TONS OF METAL: Mit 70 Nationen durch die Karibik

BLIND GUARDIAN

Die „70000 Tons Of Metal“ ist die Mutter aller Heavy-Metal-Kreuzfahrten. Bereits zum fünften Mal legt das schwimmende Stromgitarren-Festival in Florida ab, um fünf Tage und vier Nächte durch das karibische Meer zu schippern. An Bord der „Liberty Of The Seas“ sind 3.000 Fans aus 70 Ländern, u.a. Australien, Südafrika, Russland, Singapur, Serbien, Panama und Thailand. 60 Bands spielen auf der gut 2.000 Kilometer langen Reise nach Jamaika und zurück in den Hafen von Fort Lauderdale.

22. Januar – Port Everglades, Fort Lauderdale 
Während die mondäne „Queen Elizabeth“ im Hafenbecken neben uns auf die typische Traumschiff-Klientel im geriatrischen Alter mit gestärktem Polo-Hemdkragen und Abendgarderobe im Gepäck wartet, füllt sich die nicht minder imposante, insgesamt rund 5.300 Menschen fassende „Liberty Of The Seas“ mit nach und nach anreisenden Metal-Fans und -Bands aus aller Welt. Durch die Warteschlangen und den Sicherheitscheck geht es hinein in den Bauch des vor rund acht Jahren in Finnland für läppische 800 Millionen Dollar gebauten Luxusschiffs. Es herrscht ein einziges Gewusel auf den 14 Decks. Musiker wie Passagiere suchen ihre Kabinen, die Bühnen, das große Restaurant oder schlicht und ergreifend die nächste Bar, um sich erst mal ein Bier in den Rachen zu schütten. Die „Liberty Of The Seas“ fasst 50 Prozent mehr Passagiere als ihre Vorgängerin „Majesty Of The Seas“ und trumpft mit einem Line-up von 60 statt bisher 40 Bands auf vier statt bisher drei Bühnen auf, weswegen alles noch viel größer, weitläufiger und zum Teil unübersichtlicher ist. Beim Gang durch das Schiff trifft man Destruction-Frontmann Schmier im Plausch mit einem Fan, auf dem Pool-Deck stehen Anvil mit einem ganzen Trupp Fans zusammen, und in der Nähe der Pool-Brücke scherzen In-Extremo-Frontmann Micha Rhein, Tank-Live-Schlagzeuger Bobby Schottkowski und Refuge-Sänger Peavy Wagner herum, während sich im Hintergrund eine schwarz gekleidete Hochzeitsgesellschaft versammelt. Braut und Bräutigam schreiten in schickem Gothic-Style in Richtung schwarz gekleidete Priesterin und werden – von Fotografen und mal jubelnden, mal grölenden Passagieren umringt – getraut. Wem das zu viel Karneval ist, der kann etwas später einfach nur die beeindruckende Atmosphäre im Abendlicht beim Auslaufen des Schiffs aus dem Hafen genießen. Beim Gedanken an die frostige Winterwitterung in Mitteleuropa lässt man sich die milde Abendbrise gleich doppelt so gerne bei einem kühlen Getränk um die Nase wehen (grrr, komm du uns nach Hause! – die frierende Redaktion). Während die größte Kreuzfahrt-Open-Air-Bühne der Welt noch gebaut wird, beginnen im Bauch des Schiffs bereits die ersten Live-Auftritte. Equilibrium und Helstar eröffnen den viertägigen Konzert-Marathon, bei dem jede Band zweimal in verschiedenen Venues auftritt. EQUILIBRIUM zocken ihre erste Show auf einer umgebauten Eisbahn, während HELSTAR in der Sphynx Lounge rocken, die normalerweise eine schummrige Nachtbar ist....

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