RH #333Interview

MARILYN MANSON

Der amerikanische Patient

MARILYN MANSON

MARILYN MANSON hat es nicht leicht. Die Extreme sind ausgereizt, die goldenen Karrierezeiten vorbei. Was bleibt, ist ein alles überschattendes Image, das den Amerikaner irgendwo zwischen Gesamtkunstwerk und nervigem Möchtegern-Psycho positioniert und in ein Korsett packt, dem er nur schwer entkommen kann. „The Pale Emperor“ nennt sich der überraschend einfache Fluchtweg: ein durch und durch gutes Album ohne unnötigen Image-Ballast, dafür mit einigen der besten Songs der gesamten Band-History.

Mr. Manson residiert an diesem Dezembertag im Soho House, einer Mischung aus Hotel und Privatclub für Kreativschaffende am Berliner Alexanderplatz. Im Untergeschoss ist die Heizung ausgefallen. Die Plattenfirmen-Vertreterinnen halten sich in Mäntel und Mützen verpackt an dampfenden Teetassen fest. Der Künstler selbst empfängt in einer riesigen, spärlich beleuchteten Lounge mit Bar und reichlich plüschigen Sitzgelegenheiten. Das Ambiente wäre durchaus gemütlich, wenn man nicht auch hier erwarten würde, jeden Moment in der Kälte seinen eigenen Atem zu sehen. Manson lächelt zur Begrüßung und zeigt seinen expliziten Zahnschmuck. Er trägt edlen Zwirn, eine Art Barett auf dem Kopf, sehr viel Make-up und blutroten Lippenstift.

»Du bist von einem Heavy-Metal-Magazin. Doch mein Metall ist gefährlicher als deines.«

Er lächelt wieder, hält seine Hand neben meine und deutet auf unsere Daumenringe: Seine sind locker fünf Zentimeter lang und spitz zulaufend. Meine erste Assoziation ist, dass man mit...

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