RH #332Titelstory

MACHINE HEAD

Die Nacht der langen Messer

MACHINE HEAD

Mit „Bloodstone & Diamonds“ haben MACHINE HEAD weltweit die Charts geknackt und eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass sie sich in ihrem zweiten Karrierefrühling pudelwohl fühlen.

Wenn es überhaupt eines Beweises bedurfte, dass man sich beim Songwriting am besten ausschließlich auf die eigenen Fans konzentriert und nicht allzu weit über den bisherigen stilistischen Tellerrand hinausschauen sollte, dann ist der 1999 mit dem bis dato umstrittensten MACHINE HEAD-Album „The Burning Red“ erbracht worden. Der Schlenker in Richtung Rap- bzw. Nu Metal ist Robb Flynn & Co. trotz der Tatsache, dass das Album das in den USA bestverkaufte der Band ist, nicht gut bekommen. Auch die dezente Kurskorrektur, die man auf dem Nachfolger „Supercharger“ vorgenommen hat, konnte den Credibility-Verlust nicht stoppen und führte zusammen mit dem Umstand, dass die Scheibe ziemlich genau zum Zeitpunkt der Attentate vom 11. September 2001 veröffentlicht wurde, dazu, dass die Band plötzlich ihren Plattenvertrag los war. Wie knapp man damals vor der finanziellen Pleite und der Bandauflösung gestanden hat, wird die Öffentlichkeit wohl nie erfahren, aber man bekommt eine ungefähre Ahnung von der brisanten Situation, wenn man Flynns persönliche Einträge auf der Band-Homepage zu dem Thema liest. Die Wende und das Besinnen auf die ureigenen Stärken gelingen der Band erst mit dem extrem erfolgreichen Comeback „Through The Ashes Of Empires“, das gleichzeitig den Einstieg von Gitarrist Phil Demmel markiert, der mit Flynn schon zusammen bei Vio-Lence spielte. Was folgt, sind drei weitere äußerst erfolgreiche Alben, von denen die aktuelle Veröffentlichung „Bloodstone & Diamonds“ die letzte ist und dem Bay-Area-Vierer weltweit die bisher höchsten Chartnotierungen beschert. Für Flynn ist das achte Studioalbum der Bandgeschichte das, »mit dem wir unsere Vorstellungen am radikalsten umgesetzt haben«, gleichzeitig aber auch »das vielschichtigste und detailverliebteste«. Ein Widerspruch? Nein, denn auch wenn die Band mit klassisch inspirierten Parts und Streicherpassagen experimentiert und ein ganzes Arsenal an mächtigen Refrains mit Mitgrölgarantie auffährt, ist Thrash Metal nach wie vor der Haupteinfluss des Oakland-Vierers. Nur wird der anno 2014 in ein deutlich variableres Songwriting als früher verpackt und könnte MACHINE HEAD sogar den einen oder anderen Underground-Hit bescheren. Auch ´Night Of Long Knives´, die Nummer auf unserer „Best of“-CD, ist so ein Kandidat. Vor allem aber macht sie klar, dass MACHINE HEAD nach wie vor Trends setzen und in ihrer ganz eigenen Liga spielen. ...

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