RH #324Vorwort

Vorwort

GewiSSheit in Absurdistan?

Es ist eine der großen ungeklärten Fragen im Rock´n´Roll-Universum: Darf das amerikanische Kiss-Logo – ihr wisst schon, das mit den je nach Sichtweise wie Blitze oder SS-Runen geformten letzten beiden Buchstaben – in Deutschland verwendet werden? Seit über 30 Jahren ist man sich in der Fangemeinde uneins darüber, ob das Original-Logo hierzulande verboten ist oder nur einfach nicht gerne gesehen wird. Dass die Band jeglicher faschistischer Tendenzen völlig unverdächtig ist, versteht sich nicht nur deshalb von selbst, weil die Vorstandsvorsitzenden Paul Stanley und Gene Simmons jüdische Wurzeln haben, aber dennoch werden Kiss-Produkte – und von denen gibt´s ja einige... – in good old Germany seit Anfang der achtziger Jahre mit einem „familienfreundlichen“ Schriftzug verkauft. Ob wir es hier tatsächlich mit Zensur oder nicht vielleicht doch eher mit einem etwas absurden Fall von Selbstzensur zu tun haben, untersucht unser Metal-Historiker Matthias Mader in einem Special, für das er unter anderem einen Rechtsanwalt interviewte und jahrzehntealte Dokumente entstaubte.

Auch in unserer großen Titelstory zum 40-jährigen AC/DC-Jubiläum, für die einer der weltweit größten Bandexperten seine Interview-Schatztruhe öffnete, geht es ans Eingemachte. Papa Young prophezeit seinen Jungs, dass sie sich nach maximal einer Woche in einer gemeinsamen Band die Köpfe einschlagen werden, Malcolm sucht zwischenzeitlich einen Pianisten, um Rock´n´Roll à la Jerry Lee Lewis zu spielen, und irgendwann prügelt sich der erste AC/DC-Sänger Dave Evans mit dem Bandmanager, weil Gelder auf mysteriöse Weise verschwunden sind. Dazu präsentieren wir euch rare zeitgenössische Fotos, die die Anfangsphase der heute größten harten Rockband des Planeten auch optisch noch einmal Revue passieren lassen. Aber wir belassen es nicht beim Blick zurück, denn die Band scheint für 2014 große Pläne zu haben. Doch lest selbst – genauso wie das famose Special zum 25-jährigen Jubiläum des MORBID ANGEL-Meilensteins „Altars Of Madness“, den Schwatzkasten mit einem angenehm bodenständigen D.D. Verni von OVERKILL, die DIO-Verbeugung von Drummer Simon Wright oder die TRIPTYKON-Story, in der Jan Jaedike die Band mal aus einem etwas anderen Blickwinkel betrachtet.

In diesem Sinne,
MICHAEL RENSEN



Dass wir zum ersten Mal in der Geschichte des Rock Hard aus wirtschaftlichen Gründen zwei Mitarbeiter entlassen müssen, hatten wir ja schon vor einiger Zeit bekannt gegeben. Diesen Monat verlässt uns mit Andreas Himmelstein der erste dieser beiden. Andi war 17 Jahre Teil unserer Redaktion, und wir möchten uns an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich für seinen Einsatz in Sachen Rock´n´Roll bedanken und ihm alles Gute für die Zukunft wünschen!