RH #324Kolumne

Neues vom Grottenolm

GREGOR OLM

In dieser neuen Rubrik lugt unser Kolumnist Gregor „Grottenolm“ Olm mit geschärftem Blick in die Abgründe der Metalszene


Satanische Schnappschüsse

Als ich neulich Nergal und Rob Darken in einem polnischen Fotoautomaten begegnete, wo sie sich zufällig getroffen hatten und nun dichtgedrängt, aber auch in unmissverständlicher Abwehrhaltung zueinander, ihre schmalen Hinterteile auf dem kleinen Drehhocker balancierend, einige Kumpelfotos schossen, kam unvermutet Morgan von Marduk, gerade mit „Elite Hunting“ auf Pauschalreise und verschmitzt seinen Handschmeichler (das stählerne Glied einer Panzer Kette der Panzer Division Hermann Göring – hier alles fälschlich auseinandergeschrieben) reibend, hinzu, um mit mir zusammen das fidele Schauspiel zu betrachten, das sich auch daraus ergab, dass Darken unbedingt noch eine kleine Kiefer aus einem Wäldchen bei Powiat Gryfinski mit aufs Bild zwängen wollte, obwohl Nergal bereits in einem ausladenden Nietenkapuzenmantel, den ein Rob Halford seinem Bühnenkleidungsschneider H. Glööckler mit den Worten „Das ist doch bei Weitem zu plakativ!“ um die Ohren hauen würde, einigen Platz für sich beanspruchte. Nergals nigelnagelneuer spitzer Schnauzbart stach Darken bei dieser Unternehmung das eine ums andere Mal derart ins Ohr, dass dieser in qualvolles Schreien ausbrach, was Morgan auf eine ihn immer noch peinigende Anekdote zu den legendären Aufnahmesessions des legendären Black-Metal/Death-Industrial/Death-Gospel-Projektes Abruptum brachte, welches er zeitweilig mit Gomez Addams Vetter, dem Abruptum-Gründer It, führte. Die schmunzeln machenden Geschichten darüber, dass die Abruptum-Musiker sich seinerzeit mit Laubsägen, Ahoi-Brausepulver, No-Name-Küchenmaschinen und glühenden Rippenspreizern bearbeiteten, um ihre alles in Frage stellende Musik mit peinvollen Schreien zu veredeln, entlarvte er mit dem Mienenspiel eines soeben Gevierteilten, von Panzerketten Zermalmten und zuvor noch Getauften und Konfirmierten als üble Geschichtsklitterung seitens der Christen. Vielmehr war It laut Morgan seinerzeit ein Verfechter der elitären, diätischen Ernährung „Diabolic Balance“, die nur Gerichte wie Rosenkohlspieße ohne Zucchini und Ananas – ein Rezeptvorschlag von It-Busenkumpel Barney Greenway (KPD, Napalm Death) – kennt, und zwang u.a. Morgan bei laufendem Vierspur-Kassetten-Aufnahmegerät zum Mit- und sogar Aufessen. It war bald darauf „selbstverständlich aus dem Verkehr gezogen“, wie Morgan, während nun wieder sein bekannt herzliches Lachen erklang, verschwörerisch bemerkte, dabei sein blitzblankes Repetiergewehr nachdenklich streichelnd. Nergal stürmte indessen aus dem Fotoautomaten, seine nietenbewehrte Cäsarenmantelschleppe hinter sich herzerrend, da ihm siedend heiß eingefallen war, dass er an diesem Tage noch zu Fotoroman-Aufnahmen für die polnische „Bravo“ anzutreten hatte – gerne in Kauf genommene Unabwendbarkeit für einen gottgleich talentierten, dem Underground verpflichteten Extrem-Metal-Musiker....

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