RH #321RH vor 10 Jahren

Keine Airbags für die CSU

Natürlich finden wir es irgendwie cool, mit unserer Lieblingsmusik bei gewissen Zeitgenossen anzuecken. Aber die Blödheit der religiösen Geschmacksgestapo überschreitet manchmal die Grenzen der Zumutung.

In den USA fliegen die Jesusrocker P.O.D. aus einem Großteil der nicht gerade wenigen christlichen Shops, weil irgendein Verschwörungstheoretiker auf dem Cover von „Payable On Death“ tatsächlich „okkulte“ Symbole entdeckt. Damit stehen P.O.D. immerhin in guter Tradition mit diversen als Satanswerk geouteten Disney-Filmen, dem Kinderverderber „Harry Potter“ und den üblen „Chroniken von Narnia“.

Unsere CSU sattelt ebenfalls die Pferde für den nächsten Kreuzzug: Die Bayern wollen offensichtlich am spießbürgerlichen Rand ein paar Wähler einfangen und entblöden sich nicht, angesichts der aktuellen Sperenzchen von Möchtegern-„Antichrist Superstar“ MARILYN MANSON (Bibel zerreißen, nackten Arsch zeigen und so) zum „Beten für die bedrohten jungen Menschen“ aufzurufen. Zwei Jahre später fordert Generalsekretär Markus Söder sogar ein strafrechtliches Blasphemieverbot. 2011 biedert er sich dann auf ´ner fränkischen Faschingsparty in Paul-Stanley-Make-up und mit bösem SS-Logo auf dem Shirt als Pseudo-Rocker an. Wenn es um Musik geht, sollten Politiker eh ihre Klappe halten. Wer will schon die gleichen Sachen hören wie Cem Özdemir (Led Zeppelin), Christian Wulff (Bruce Springsteen), Karl-Theodor zu Guttenberg (AC/DC) oder Claudia Roth (Bushido)?
Wechseln wir lieber zum damals in unserer Gazette schwer beliebten

Fäkalhumor:
DEICIDE schmecken in Hamburg die Brötchen nicht, also kackt Gitarrist Brian Hoffman auf eins drauf und packt es zurück in den Kühlschrank. Laut Bandchef Glen Benton ist die Aktion halb so wild. Die Wurst war schließlich nur so kurz wie »ein halber Michael-Jackson-Schwanz«.
FUNERAL FOR A FRIEND-Bassist Gareth Davies „unterstreicht seine Sätze schon mal gerne mit einem amtlichen Furz“.

In ihrem Tourtagebuch empfindet Conny das Stageacting des KILL II THIS-Sängers als „scheißtreibend“, was wir lieber nicht genau hinterfragen. Der Headliner MACHINE HEAD fand die Show am Tag zuvor zudem ziemlich „beschissen“, so dass es sich durchaus um ´ne kollektive Schließmuskelschwäche des Live-Trosses handeln kann. Chef-Maschine Robb Flynn rührt unbeeindruckt sein in diesem Zusammenhang ziemlich eklig betiteltes „Brown Eye“-Gesöff an, das Ms. Schiffbauer - glücklicherweise - umgehend als Mischung aus „zwei Prozent Cola und 98 Prozent Wodka“ erschmeckt. Ansonsten lebt Flynn fast asketisch und klinkt »nur sehr selten mal ´ne Ecstasy« ein.

Definitiv auf irgendeinem fiesen Trip hängen geblieben ist Timo Tolkki. Der STRATOVARIUS-Vorgeiger beginnt sein Gestrüpp aus Verschwörungstheorien, skurrilen Line-up-Wechseln, erfundenen Attacken auf sein Leben und allem anderen, was man so tun kann, um die Karriere komplett an die Wand zu fahren.

Und sonst?

* Familie Osbourne bleibt nach dem Erfolg der MTV-Soap „The Osbournes“ auf Seelenstriptease-Kurs und tut kund, dass Eheweib/Managerin Sharon ihren Holden kurz vor der Hochzeit ausgerechnet mit dessen Lieblingsgitarrero Randy Rhoads betrogen hat.
* Ein ganz besonders entwaffnendes „Atomkraft? Nein, danke!“-Argument kommt von MOONSORROW-Gitarrist Mitja Harvilahti: »Mein größter Albtraum wäre es, wenn ein Nuklear-Reaktor in Finnland explodieren würde, infolgedessen wir alle gezwungen wären, nach Deutschland zu ziehen, um dort für alle Zeiten Schlagermusik zu hören.«
* Mit „Desert Dreams“ veröffentlichen Schwedens SHIVA eines der fünf wichtigsten Alben der gesamten Female-fronted-Heavy-Rock-History.

Redaktions-Charts

Februar 2004

1. EXODUS - Tempo Of The Damned (8,1)
2. GLUECIFER - Automatic Thrill (8,0)
3. PINK CREAM 69 - Thunderdome (7,7)
4. LOSTPROPHETS - Start Something (7,6)
      RAUNCHY - Confusion Bay (7,6)
6. SHIVA - Desert Dreams (7,5)
7. PHARMA BOYS - The Other Side (7,5)
8. SYMPHORCE - Twice Second (7,5)
9. PROBOT - Probot (7,4)
10. SCARVE - Irradiant (7,3)