RH #316RH vor 10 Jahren

Weiber, Wasserpfeifen, Wiedervereinigungen

ROCK HARD #196

Sollen sich die Nu-Metaller doch gegenseitig die Köpfe einschlagen. Wir interviewen scharfe Schnitten, lassen ein Pfeifchen kreisen und huldigen dem Metal-Gott.

Auf dem Cover sehen die Klamotten von Angela Gossow zwar aus, als hätten wir die ARCH ENEMY-Röhre gerade beim Shoppen auf Malle gestört (man beachte in diesem Zusammenhang auch die zartrosa Bandnamenliste), dafür zieht sie ´ne coole Rudi-Schenker-Schnute. Frooonck interessiert im Interview, wie die Dame on the road als Veganerin nicht verhungert, was ´ne logische Frage ist, wenn der eigene Tourrider nur aus verendetem Federvieh bestehen würde.

Auch Bruder Cle darf mit ´ner Frontfrau parlieren und bezeichnet Betsy Bitch gewohnt charmant als „des Metallers liebste Lederschlampe“. Als er dann noch irgendwas über „Oralsex-Trockenübungen mit ´nem Riesenlutscher“ palavert, lassen wir ihn lieber in seinem österreichischen Darkroom allein.

Zompf Kupfer trifft sich auf ´ne Wasserpfeife mit seinem Kumpel Phil Anselmo, der das passend getaufte SUPERJOINT RITUAL-Projekt promotet. Da die beiden Strategen gerade so richtig relaxt sind, wird auch hier umgehend über die wahren Werte im Leben gefachsimpelt.

Zompf: „Deine Ehe mit Opal ist unwiderruflich vorbei?“

Phil: »Absolut. Und das war das Beste, was mir passieren konnte.«

Zompf: „Als wir dich zum letzten Mal getroffen haben, schienst du mit ihr recht glücklich zu sein.“

Phil: »Da muss ich total besoffen gewesen sein.«

Etwas Entspannungskraut könnte auch SPINESHANK guttun. »Wenn Jonny (Santos; v.) eine andere Meinung hat als ich, dann gehen wir vor die Tür und tragen die Sache wie Männer aus«, schwachfugt Drummer Tommy Decker über die Arbeitsweise der glücklicherweise längst im Mülleimer des „modernen“ Metal gelandeten Kapelle.

Anders als bei JUDAS PRIEST, zu denen Rob Halford nach 189 Dementis aller Beteiligten natürlich doch zurückkehrt, hat man diverse andere Zwischendurch-Splits im Laufe der Jahre völlig veralzheimert. Es kann sich bestimmt kaum jemand dran erinnern, dass sich damals IMMORTAL („persönliche Gründe“) und MEGADETH („Gott“) mal eben für ´ne Weile verabschieden, nur um bald darauf weinende Fans, nicht mit dem gekürzten Haushaltsgeld klarkommende Ehefrauen, kurz vor der Pleite stehende Hersteller billiger Theaterschminke und den Allmächtigen (welchen auch immer) zu erhören und es auf halb- bis dreiviertelgarem Niveau noch mal zu probieren.

Generell sollten sich Reunion-Willige und auch Bands, die seit Dekaden kontinuierlich durchhalten, folgenden Satz merken: »Ab dem Moment, an dem ich nicht mehr so aussehe, wie meine Musik klingt, ist auf alle Fälle Schluss.« Das spricht ausgerechnet der Mann, von dem viele immer dachten, dass er a) nicht denken und b) nicht sprechen kann, und der sich ohne Hemmungen ein Dead-Kennedys-Logo und ´nen Waffen-SS-Sticker auf die Klampfen klebt: SLAYERs Jeff Hanneman. Der Kerl gibt sich in unserem Interview ohnehin überraschend humorvoll und undoof. R.I.P.!

Ebenfalls witzig: der frisch gefeuerte Ripper Owens zum Thema „Halford ist zurück bei Priest“. »Mir geht´s prima. Der Split war ganz in meinem Sinne.« Klar! Endlich steht deiner richtig steilen Karriere nix mehr im Wege...

 

Und sonst?

  • Devon Graves alias Buddy Lackey (Deadsoul Tribe, Psychotic Waltz) preist Jimi Hendrix, indem er als Rechtshänder ´ne Linkshänder-Gitarre spielt. Götz will sich daraufhin ebenfalls vor dem alten Helden verneigen und sich ´nen Afro wachsen lassen.
  • METALLICAs „St. Anger“ bleibt souverän auf Platz eins der Lesercharts.