RH #314RH vor 10 Jahren

Lack, Leder, Bierbauch

ROCK HARD #194

DeMaio will für Echtmetall sterben, Halford soll für gute Riffs zahlen, und Albrecht schnallt für 'nen coolen Szenelook schon mal den Gürtel weiter.

„Clowns oder Helden?“, fragen wir in der MANOWAR-Coverstory. Heute weiß man mehr. Damals war hingegen noch nicht so ganz klar, ob Joey DeMaio nur an einem etwas zu ausgeprägten Ego leidet oder tatsächlich ein komplettes Ei am Wandern hat. Wenn man es mit diversen späteren Schoten vergleicht, liest sich das Interview überraschend unaufgeregt. Ein Absatz ist allerdings schon mal ein Omen für den Irrsinn der kommenden Jahre: »Wir verarschen unsere Fans nicht, und wir verändern auch nicht unser Image oder unseren Stil! Du wirst mich eher sterben sehen, als dass ich den Weg gewisser anderer Bands einschlage! Im Ernst: Lieber wäre ich tot!«

Auch 'ne große Schnauze, aber tatsächlich was dahinter hat CAGE-Mikro-Glatze Sean Peck. Dass "Darker Than Black" im Soundcheck ausgerechnet von Hänflingen wie Saliva und Linkin Park abgehängt wird, löst bei dem Ami mit der Götterstimme Kotzreiz aus. Umgehend überlegt sich der erfolgreiche Immobilienhai ein Supportprogramm für die wahre Metalszene. Teils mit dem Hintergedanken, flotte Blondinen kennenzulernen (»Ich habe Arch Enemy eine Mail geschickt und Hilfe angeboten, falls sie mal von ihrer simplen Gesangsformel wegkommen wollen«), teils um das eigene Konto weiter aufzupeppen (»Für das Riff von 'Blood Of The Innocent' würde Rob Halford glatt 20.000 Dollar zahlen«).

Im immerhin cool betitelten DORO-Fanmagazin "Holy Diva" reimen einem Pesch-Fans hemmungslos die Fremdschämröte ins Gesicht: »Alkohol und Drogenhandel sind nicht Doros Lebenswandel« und »In Lack und Leder sieht sie fantastisch aus, doch wir lieben sie auch als graue Maus« sind zwei der Highlights.

Ebenfalls eher unbedarft zeigt sich STAINDs Mike Mushok. Es ist zwar seltsam für einen Rockstar mit zweistelligen Millionenverkäufen, aber der Kerl scheint bislang weder bei Groupies noch bei seriösen Damen landen zu können und las im Aufklärungsunterricht wohl "Mickey Mouse" unterm Tisch: »Ich habe schon verdammt oft probiert, Kinder zu bekommen. Aaron (Lewis, der Langweiler am Staind-Mikro - jj) hat auch schon versucht, mir zu zeigen, wie es geht. Bislang hat's aber leider noch nicht funktioniert.«

Götz sichtet bei 'ner CHILDREN OF BODOM-Show jede Menge »ECHTEN Metal-Nachwuchs, sprich Patronengurt- und Kutten-Banger«. Gerüchten zufolge stammen allerdings 50 Prozent der Gurte aus dem immensen Fundus an Exemplaren, die Herr Kühnemund in diversen Backstageräumen, Friseursalons und Festivaldixis verloren hat.

Albrecht findet derweil im Frontmann von TAETRE sein metallisches „role model“: »Ordentliche Matte, stämmige Figur, ein Bart, der bis zu den Brustwarzen reicht, dazu ein leichter Bierbauch.« Einiges klappt davon ja schon ganz vorzüglich.

 

Und sonst?

  • Bei der DIE HAPPY-Listeningsession in Wien purzelt eine "Bravo"-Schreiberin nach dem Genuss eines (!) Bieres besoffen 'ne Treppe runter.
  • Phil Anselmo kann sich vorstellen, in zehn Jahren »PANTERA wiederzubeleben«. Das wäre so ungefähr jetzt.
  • Eine Redaktionsassistentin namens Jenny Rönnebeck - laut Götz 'ne »echte Old-School-Metallerin« - stößt zum Rock-Hard-Team. Sie schafft es bereits in ihrer ersten Plattenkritik (Rob Rocks "Eyes Of Eternity"), den Namen Axel Rudi Pell zu platzieren.