RH #312RH vor 10 Jahren

Stange im Loch

Rock Hard #192

Wenn man liest, was im Frühjahr 2003 in unserer Szene abgeht, kann man fast verstehen, dass so mancher Normalsterbliche die Metal-Welt für lebensgefährlich, moralisch verkommen und geistig minderbemittelt hält.

Bei einem Gig der US-Hardrocker GREAT WHITE in Rhode Island setzen Pyros das aus Styropor bestehende Lärmschutz-Dämmmaterial des Clubs in Brand. In dem Feuer sterben hundert Menschen. Auch Great-White-Gitarrist Ty Longley ist unter den Toten. Der Bandmanager wird zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt, Great White hingegen freigesprochen. Die Gruppe zahlt den Überlebenden und Verwandten der Opfer dennoch eine Million Dollar und spielt diverse Benefizkonzerte. Auch das Rock Hard startet im Verbund mit diversen anderen Medien eine Spendenaktion.

Für bis zu ein Jahr müssen marokkanische Headbanger wegen „Unterminierung des muslimischen Glaubens“ in den Knast. Die Kerle hatten doch tatsächlich ´ne ganz doll satanische Sekte gegründet. Beweise der Anklage: konfiszierte Metal-CDs und -Shirts sowie ein Aschenbecher in Form eines Totenkopfs.

Angesichts solcher Dramen ist das Selbstmitleid, mit dem der ehemalige ALICE IN CHAINS-Sänger Layne Staley sein finales Interview füllt, umso erbärmlicher. Der Crack- und Heroin-Junkie plauscht „mit gebrochener Stimme durch einen zahnlosen Mund“: »Es war ein Riesenfehler, mit diesem Dreck anzufangen. Meine Leber funktioniert nicht mehr, ich kotze ständig und scheiße mir in die Hose.«

LIMP BIZKIT-Chef Fred Durst wird ebenfalls von derbsten Sorgen geplagt: Der Leader des „Crap-Rock“ (Jason Newsted) hat ein Techtelmechtel mit Britney Spears, was die Holde nach einem zweiten Blick auf den Knilch umgehend abstreitet. Durst zeigt sich „sehr verletzt“ und widmet Frau Spears den Song ´Drop Dead´.

Ein Leser entdeckt glatt unseren Götz in einem Pornofilm. Herr Kühnemund will und kann nicht dementieren, muss er laut Redaktion doch „momentan zu viele Casting-Termine bewältigen“.

Das Leid der Horizontalprominenz teilt auch TYPE 0 NEGATIVE-Frontmann Pete Steele, der ja mal für „Playgirl“ blank zog: »Bei Autogrammstunden kommt es immer wieder vor, dass Männer zu mir kommen, um sich diese Ausgabe signieren zu lassen. Und oft kleben die Seiten zusammen.«

MAYHEM sind zu blöd, auf der Bühne ein Schaf zu zerschneiden. Fronter Maniac flutscht der Kopf des Tiers vom Messer und sorgt bei einem Zuschauer für ´ne Schädelfraktur. Der ist daraufhin stinksauer, allerdings vor allem, weil „ihm bei der Notoperation seine Langhaarmatte halbseitig abgesäbelt wurde“.

Holger bevorzugt lieber dröge Langeweile und geht mit APOCALYPTICA on the road. Highlights: Paavo wirft „ein paar Salzstangen ins Schallloch“ (oder was dachtet ihr, verbirgt sich hinter der Überschrift dieser Kolumne?). Eicca sieht die Tour als »Urlaub von meinen Kids« und nutzt »die Gelegenheit, mal so richtig auszuschlafen«. Auch sonst heißt´s: „keine Tourbus-Exzesse, keine Drogen, keine Pornos, kein Zank“. Stattdessen „stehen nach der Show die Teenager mit ihren Autogrammen am Tourbus eher schüchtern im Abseits, während die Mütter noch stundenlang mit den Musikern diskutieren“.

 

Und sonst?

  • Rob Halford stellt klar: »Ich bin kein Mitglied von JUDAS PRIEST und habe auch nicht vor, zur Band zurückzukehren.« Immerhin reformieren sich ANAL CUNT.
  • Für Pfingsten planen wir ein „einmaliges“ Festival zum 20. Rock-Hard-Jubiläum.
  • Leser Michael Wolf bewirbt sicht als Ghost-Texter für Power-Metal-Bands. Die erste Kostprobe ist schon mal brillant: „Raise your swords, kill your foe - die by metal, hohoho!“